Luftschläge: Vizeemir aus Schweden im Irak getötet

11. April 2016, 11:15
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Das US-Militär tötete die schwedischen Jihadisten Khalid Osman Timayare und Harris Cary Saneen

Die Welle an tödlichen Luftschlägen gegen führende Vertreter des "Islamischen Staats" und des mit ihm verfeindeten Al-Kaida-Ablegers Jabhat al-Nusra geht weiter.

Nachdem Anfang vergangener Woche bekannt wurde, dass mit Abu Firas al-Suri der Sprecher von Jabhat al-Nusra gemeinsam mit zahlreichen anderen Spitzenvertretern des Al-Kaida-Ablegers durch US-Angriffe in Syrien getötet wurde, bestätigte Ende der Woche das Pentagon, dass Khalid Osman Timayare und Harris Cary Saneen bei zwei separaten Luftschlägen im Irak ums Leben kamen.

Anwar-al-Awlaki-Brigade

Timayare, der nahe der irakischen Stadt al-Ragnina getötet wurde, war laut Colonel Steve Warren "der Vizeemir der Anwar-al-Awlaki-Brigade". Die Angaben können schwer überprüft werden, erscheinen aber plausibel: Anwar al-Awlaki – benannt nach einem ebenfalls getöteten amerikanisch-jementischen Jihadisten – besteht zu einem Großteil aus nichtarabischen Kämpfern des IS.

Saneen wiederum soll bei einem Luftschlag nahe der irakischen Stadt Bajar ums Leben gekommen sein.

Hohe Zahl an Jihadisten aus Schweden

Schweden hat – wie viele andere EU-Staaten – seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs ein wachsendes Problem mit Jihadisten, die nach Syrien oder in den Irak gehen, um sich dortigen radikalislamischen Gruppen anzuschließen. Von den rund 4.000 Kämpfern aus dem EU-Raum in den beiden Ländern stammen laut dem International Centre for Counter-Terrrorism (ICCT) rund 300 aus Schweden. Damit hat Schweden nach Belgien und Österreich innerhalb der EU umgelegt auf die Einwohnerzahl die dritthöchste Rate an "Foreign Fighters".

Das Epizentrum des schwedischen Jihadismus liegt offenbar in Göteborg: Laut Behördenangaben hat die 500.000-Einwohner-Stadt die höchste Foreign-Fighter-Rate pro Kopf in Europa. Der Stadtteil Angered sei ein Hub für ausreisewillige Jihadisten geworden.

Die Zahlen schlagen sich auch in prominenten Posten innerhalb jihadistischer Organisationen nieder. Abu Qaswarah al-Skani war zum Beispiel prominentes Al-Kaida-Mitglied im Irak. Al-Skani (der Schwede) wurde in Camps in Afghanistan ausgebildet und hatte Kontakt zu Abu Musab al-Zarqawi, dem Gründer des irakischen Al-Kaida-Ablegers, der sich später zum "Islamischen Staat" wandelte. Er wurde 2008 bei einem Angriff auf eine Al-Kaida-Zelle in der irakischen Stadt Mossul, getötet. Der Schwede Yasin Ali Bayni wiederum war Kommandant in der somalischen Jihadistenallianz Huzbul-Islam.

Attentat in Stockholm als Vorbote

Dass die wachsende Zahl an Jihadisten auch für Schweden selbst eine Gefahr darstellt, wurde bereits 2010 deutlich, als Taimour Abdulwahab, ein Schwede mit irakischen Wurzeln, zunächst eine Autobombe und wenig später einen am eigenen Körper befestigten Sprengsatz in Stockholm zündete. Zwei Menschen wurden bei dem Attentat verletzt. (stb, 11.4.2016)

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