Cancellara gestürzt: Außenseiter Hayman triumphiert in Roubaix

10. April 2016, 17:43
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Überraschender Sieg des Australiers beim Klassiker in Frankreich vor Tom Boonen

Roubaix – Der Australier Matthew Hayman hat am Sonntag völlig überraschend erstmals den Klassiker Paris–Roubaix gewonnen. Der 37-Jährige vom Team Orica-Green Edge fuhr nach 257,5 Kilometern und 27 Kopfsteinpflasterpassagen als Erster über die Ziellinie des altehrwürdigen Velodroms von Roubaix und krönte damit seine Laufbahn.

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Zweiter in der "Hölle des Nordens" wurde nach einem packenden Sprint einer fünfköpfigen Spitzengruppe Tom Boonen (Belgien/Etixx-Quick Step), der seinen fünften Rekordsieg denkbar knapp verpasste. Dritter wurde der Brite Ian Stannard. Die Topfavoriten Fabian Cancellara und Peter Sagan gingen leer aus. Sieben Fahrer mussten nach Stürzen ins Krankenhaus. Am schlimmsten dürfte es Mitchel Docker, Teamkollege von Sieger Hayman, erwischt haben. Er erlitt schwere Gesichtsverletzungen.

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"Ich kann es nicht begreifen. Das ist mein Lieblingsrennen, davon habe ich immer geträumt. Das ist pure Freude", sagte Hayman, der als zweiter Australier nach Stuart O'Grady in Roubaix triumphierte. Dritter wurde der Brite Ian Stannard vom Team Sky.

Immer wieder hatten Stürze auf den glitschigen Feldwegen das Rennen zu einer Lotterie gemacht. Zwar herrschte bei Sonnenschein prächtiges Radsport-Wetter, doch Regen in der Nacht hatte das Kopfsteinpflaster unberechenbar gemacht.

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Maßgeblich für den Rennverlauf war ein Sturz 110 km vor dem Ziel, durch den ein Großteil des Pelotons einschließlich der Top-Favoriten Cancellara und Sagan ausgebremst wurde. Für Dreifach-Sieger Cancellara geriet die Verfolgung der Spitzengruppe zum Desaster. Auf der matschigen und rutschigen Passage Mons-en-Pévèle (209 km), einem der schwierigsten Abschnitte, stürzte der 35-Jährige und war aller Siegchancen beraubt.

Sagan, der sich bei Cancellaras Sturz akrobatisch auf dem Rad hielt, konnte den durch das Malheur entstandenen zusätzlichen Zeitverlust ebenfalls nicht mehr aufholen. Die Führenden um Hayman und Boonen schenkten sich bis zur Einfahrt ins Velodrom nichts, aber keiner kam entscheidend davon. In einem packenden Sprint verpasste der belgische Volksheld seinen fünften Sieg denkbar knapp und fuhr mit gesenktem Kopf über den Zielstrich.

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Das österreichische Quartett hatte mit der Entscheidung ebenfalls nichts zu tun. Bernhard Eisel (44.) und Marco Haller (101.) kamen als einzige in die Wertung, Matthias Brändle fiel aus dem Zeitlimit und Neo-Profi Michael Gogl kam nicht ins Ziel. Der Oberösterreicher Lukas Pöstlberger sagte seinen Start ab. Bei einer Trainingsausfahrt am Donnerstag war er zu Sturz gekommen, nachdem er bereits beim De-Panne-Zeitfahren schon schwer zu Boden gegangen war. Er entschied sich letztlich gegen ein Antreten. (sid/APA, 10.4.2016)

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Paris–Roubaix (World Tour), 114. Auflage, 257,5 km:

1. Mathew Hayman (AUS) Orica Green Edge 5:51:53 Std.
2. Tom Boonen (BEL) Etixx-Quick Step
3. Ian Stannard (GBR) Sky
4. Sep Vanmarcke (BEL) Lotto alle gleiche Zeit
5. Edvald Boasson Hagen (NOR) Dimension Data +3 Sek.
6. Heinrich Haussler (AUS) IAM +1:00 Min.

Weiters:
44. Bernhard Eisel (AUT) Dimension Data 11:14
101. Marco Haller (AUT) Katjuscha 18:30

Außerhalb des Zeitlimits:
Matthias Brändle (AUT) IAM

Nicht im Ziel:
Michael Gogl (AUT) Tinkoff

Nicht gestartet:
Lukas Pöstlberger (AUT) Bora

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