Türkei fordert Strafe für Böhmermann – deutsche Regierung prüft

10. April 2016, 16:07
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Deutschland will prüfen – Böhmermann-Unterstützung von Springer-Chef Döpfner

Berlin/Ankara – Die türkische Regierung hat in einer Verbalnote an das deutsche Außenministerium die Strafverfolgung des Satirikers Jan Böhmermann wegen seines Erdogan-Gedichts gefordert. Regierungskreise bestätigten am Sonntag einen entsprechenden Bericht des "Tagespiegel". Der türkische Botschafter in Deutschland übermittelte die Forderung.

Regierung will zügig entscheiden

Die deutsche Regierung werde den Inhalt der Note sorgfältig prüfen und zügig entscheiden, wie mit dem Verlangen nach Strafverfolgung umzugehen sei, hieß es. Dazu würden Mitarbeiter des Kanzleramts, des Auswärtigen Amts und des Justizministeriums Anfang der kommenden Woche zusammenkommen.

"Schmähkritik" in "Neo Magazin Royale"

Böhmermann hatte das Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit dem Titel "Schmähkritik" am 31. März in seiner satirischen TV-Show "Neo Magazin Royale" präsentiert – und vorher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Unterstützung von Döpfner

Am Sonntag erhielt Jan Böhmermann Unterstützung von Springer-Chef von Mathias Döpfner. "Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht", schreibt er in einem Offenen Brief, der am Sonntag in der "Welt" veröffentlicht wurde.

"Dass Ihr Gedicht geschmacklos, primitiv und beleidigend war, war ja – wenn ich es richtig verstanden habe – der Sinn der Sache", schreibt Döpfner, "sie haben doch einfach alle beleidigenden, insbesondere alle in der muslimischen Welt beleidigenden Stereotype zusammengerafft, um in grotesker Übertreibung eine Satire über den Umgang mit geschmackloser Satire zu machen."

Spottlied von Hallervorden

Auch Komiker Dieter Hallervorden nimmt sich der Causa und legt mit "Erdogan, zeig mich an!" ein eigenes Spottlied nach. Hallervorden nennt darin Erdogan einen Terroristen und erinnert ihn: "Viele User sind noch frei – auch in der Türkei". (APA, red, 10.4.2016, aktualisiert: 11.4.2016)

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