Johanna Mikl-Leitner: Prölls Vertraute kehrt heim

Porträt10. April 2016, 16:11
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Die Hollabrunnerin soll auf die Hofübergabe in Niederösterreich vorbereitet werden

Wien – Im Innenressort galt Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) fünf Jahre lang zwar als fleißige Ministerin, die ihre Reden gern auswendig lernt – um diese dann mitunter wie ein Schulkind eifrig nickend von sich zu geben. Doch bis zuletzt war die 52-Jährige beim Wahlvolk laut Umfragen nicht gut angeschrieben.

Chaos statt Leadership

Wegen des anhaltenden Chaos in Traiskirchen und dem Gequengel rund um Quartiere stellten ihr Faymann, Mitterlehner & Co. am Höhepunkt der Flüchtlingskrise letzten Spätsommer tatkräftige Sonderbeauftragte zur Seite: Flüchtlingskoordinator Christian Konrad, früher Raiffeisen-General, kümmert sich seitdem um Unterkünfte für Asylwerber. UNHCR-Sonderbeauftragter Kilian Kleinschmidt, einst Leiter eines Lagers in Jordanien, stand Mikl-Leitner als humanitärer Berater zur Verfügung.

Mauer und Dankbarkeit

Seiner politischen Ziehtochter machte Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll in all der Zeit trotzdem stets die Mauer. "Ich habe das Gefühl, dass die Innenministerin in der Regierung über weite Strecken alleine gelassen wird", donnerte er vor einem dreiviertel Jahr. Kein Wunder, denn der mächtige Landesfürst hat "der Hanni" viel zu verdanken.

PR-Coup mit Lowlander

Die studierte Wirtschaftswissenschafterin, von ihrem Vorgänger Ernst Strasser entdeckt, stilisierte Pröll im Wahlkampf 2003 als Marketingleiterin für die niederösterreichische Volkspartei, bis heute als schwarze Stahlhelmpartie verschrien, zum Actionstar, dem "Lowlander" hoch – und holte so für ihn im flachen Land die absolute Mehrheit zurück. Zur Belohnung stieg sie damals zu Prölls Soziallandesrätin auf.

Prölls mächtiges Erbe

Nach dem überraschenden Abgang seines Neffen Josef Pröll als ÖVP-Chef und Vizekanzler schickte Pröll seine Vertraute, zweifache Mutter, 2011 nach Wien. Dort schnappte sie sich auch den Vorsitz im ÖAAB. Jetzt holt der fast 70-jährige Mentor Mikl-Leitner als Landesrätin heim – vor allem, um bis 2017 seine Hofübergabe zu regeln. (Nina Weißensteiner, 10.4.2016)

  • Gilt seit Jahren als Favoritin des Landesfürsten: Mikl-Leitner.
    foto: apa/techt

    Gilt seit Jahren als Favoritin des Landesfürsten: Mikl-Leitner.

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