Bisher Regierungsparteien-Kandidaten weitaus am stärksten

10. April 2016, 13:36
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Bewerber der Oppositionsparteien hatten bei früheren Wahlen nur geringe Chancen

Wien – Fällt das Ergebnis so aus wie die Umfragen, dann könnte sich diese Wahl zum Bundespräsidenten stark von früheren Wahlen abheben: Denn dann scheitern die Kandidaten von SPÖ und ÖVP mit weit unterdurchschnittlichen Ergebnissen im ersten Wahlgang. Bisher entschieden sich immer fast 80 Prozent für die Bewerber der Traditionsparteien. Das schlechteste Einzelergebnis hatte 1992 Thomas Klestil, der dennoch Präsident wurde.

Die Konstellation im Jahr 1992 war der heurigen ähnlich: Neben Thomas Klestil (ÖVP) und Rudolf Streicher (SPÖ) traten eine FPÖ-Kandidatin, Heide Schmidt, und ein Grüner, Robert Jungk, an – allerdings keine Unabhängigen wie heuer Irmgard Griss und Richard Lugner. Da niemand im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent schaffte, kam es zur Stichwahl. In die ging Streicher (40,7 Prozent) mit deutlichem Vorsprung zu Klestil mit 37,2 Prozent, heraus kam Klestil als Präsident, mit einem klaren Votum von 56,9 Prozent.

Klestils bescheidenes Ergebnis

Klestils 37,2 Prozent waren der niedrigste Stimmenanteil, den je ein roter oder schwarzer Kandidat in den zwölf Volkswahlen machte – und die zusammen mit Streicher 77,9 Prozent auch die niedrigste Zustimmung zu den beiden von den Regierungsparteien ins Rennen geschickten Bewerbern. Vergleichbar war sie 1951 (mit 79,3 Prozent), wo ebenfalls vier Parlamentsparteien (neben der FPÖ noch die KPÖ) Bewerber nominierten. 1963 und 1986 (die Wahl Kurt Waldheims) gab es – ohne FPÖ-Kandidaten – für die SPÖ- und ÖVP-Bewerber zusammen sogar über 90 Prozent.

Wenn eine Traditionspartei auf einen Gegenkandidaten verzichtete, gab es jeweils ähnlich hohe Werte für den – dann immer – zur Wiederwahl angetretenen Bundespräsidenten. Nur einer, in seiner Partei nicht mehr rundum beliebt bei der Wiederkandidatur, blieb unter 70 Prozent: Klestil kam 1998 nur auf 63,4 Prozent.

Erfolglose Opposition

Für die Kandidaten der Oppositionsparteien und die Unabhängigen blieb bisher nicht allzu viel übrig. Die bisher vier FPÖ-Kandidaten landeten jeweils knapp über 15 – 16,9 Prozent Willfried Gredlers 1980 sind der blaue Rekord. Die bisher zwei grünen Kandidaten Freda Meissner-Blau und Robert Jungk kam auf 5,5 bzw. 5,7 Prozent – wobei bei Meissner-Blaus Antreten 1986 die von ihr mitgegründete Partei noch nicht im Nationalrat saß.

Eine von den Grünen – aber auch SPÖ- und LIF-Abgeordneten mit ihrer Unterschrift – unterstützte Kandidatin setzte den Rekord der Unabhängigen: Gertraud Knoll eroberte 1998 einen Anteil von 13,6 Prozent. Damals, bei der Wiederwahl Klestils, gab es keinen SPÖ-Bewerber. Damit bleiben auch für Richard Lugner beim ersten Versuch noch 9,9 Prozent – das bisher zweitbeste Ergebnis der rund zehn Kandidaten ohne Partei im Hintergrund. (APA, 10.4.2016)

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