Mazedonische Polizei feuerte Tränengas auf Flüchtlinge

10. April 2016, 16:59
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Migranten wollten Grenzzaun durchbrechen und warfen mit Steinen

Idomeni – An der griechisch-mazedonischen Grenze in Idomeni ist die Lage am Sonntag erneut eskaliert. Die mazedonische Polizei feuerte Tränengas und Gummigeschoße auf hunderte Flüchtlinge, die versuchten, den Stracheldrahtzaun zu überwinden. Nach Angaben von Hilfsorganisationen wurden dabei dutzende Menschen verletzt.

Tränengaspatronen seien auch direkt in das Flüchtlingslager geschossen und nicht nur gegen Migranten an dem Stacheldrahtzaun eingesetzt worden, teilte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen auf Twitter mit. Ein 16-Jähriger sei zudem von den Behörden geschlagen worden.

In sozialen Medien kursierten Fotos und Videos, auf denen mehrere hundert Menschen zu sehen sind, die sich in Richtung Grenzzaun bewegen, während um sie herum Tränengaspatronen explodieren. Bereits in den Morgenstunden hatte die griechische Polizei vor Ausschreitungen in Idomeni gewarnt, nachdem dort Flugblätter aufgetaucht waren, die zum Sturm des Grenzzauns aufriefen. Nach den Verfassern der Flugblätter wird gefahndet.

"Erlaubte chemische Produkte" eingesetzt

Nachdem die mazedonische Polizei anfangs dementiert hatte, Tränengas einsetzt zu haben, und stattdessen die griechischen Kollegen beschuldigte, erklärte eine Sprecherin später, dass Mazedonien "erlaubte chemische Produkte" verwendet habe. Den Einsatz von Gummigeschoßen, von denen zahlreiche Fotos auf Twitter kursierten und den auch Ärzte ohne Grenzen bestätigte, wiesen die mazedonischen Behörden jedoch weiter zurück. Die Polizei habe lediglich "die Grenze geschützt, als einen Gruppe von Migranten versuchte, den Zaun zu zerstören", zitierte die Nachrichtenagentur AFP Innenministeriumssprecher Toni Angelovski. Die Flüchtlinge sollen die Beamten zudem mit Steinen beworfen haben.

Scharfe Kritik an Mazedonien kam am Sonntag von Griechenland. Der "Einsatz von chemischen Mitteln, Gummikugeln und Blendgranaten gegen eine verletzliche Bevölkerungsgruppe – insbesondere ohne Gründe für einen solchen Gewalteinsatz – ist ein gefährlicher und bedauerlicher Akt", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Sprecher der griechischen Migrationsbehörde, George Kyritsis.

Fragwürdige Flugblattaktionen

Im Flüchtlingslager Idomeni harren laut offiziellen Angaben weiterhin mehr als 11.000 Menschen in der Hoffnung aus, über die Balkanroute weiter nach Westeuropa zu gelangen. Dieser im Sommer und Herbst von hunderttausenden Menschen benutzte Weg ist mittlerweile jedoch auch auf Betreiben Österreichs geschlossen worden.

Bereits Mitte März hatte ein ähnliches Flugblatt für einen Sturm auf den Grenzzaun gesorgt. Rund 2.000 Flüchtlinge waren damals der Aufforderung gefolgt, einen reißenden Fluss zu überqueren. Drei Menschen waren dabei ertrunken. Wer es nach Mazedonien schaffte, wurde von den dortigen Sicherheitskräften umgehend zurückgeschickt. (APA, 10.4.2016)

  • Die Flüchtlinge in Idomeni wurden wieder per Flugblatt zum Handeln aufgefordert.
    foto: afp photo / bulent kilic

    Die Flüchtlinge in Idomeni wurden wieder per Flugblatt zum Handeln aufgefordert.

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