Ausschreitungen bei Protesten gegen Arbeitsrechtsreform in Frankreich

9. April 2016, 23:21
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Insgesamt weniger Demonstranten als in den Vorwochen

Paris – Im Zuge von Massenprotesten gegen die geplante Arbeitsmarktreform in Frankreich hat es am Samstag gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Ausschreitungen gab es in Paris, Nantes und Rennes, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Junge Demonstranten, von denen einige vermummt waren und Wurfgeschoße warfen, griffen die Polizei an, die ihrerseits Tränengas einsetzte. Im bretonischen Rennes wurden vier verletzte Polizisten ins Krankenhaus gebracht. Nach Gewerkschaftsangaben wurden auch Demonstranten verletzt. Im ebenfalls westfranzösischen Nantes errichteten Hunderte junge Demonstranten Barrikaden und warfen Scheiben ein. In Paris wurden drei Polizisten leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. Das französische Innenministerium teilte mit, es habe insgesamt 26 Festnahmen gegeben, neun davon in Paris.

"Game over"

In der französischen Hauptstadt hielten die Demonstranten Transparente mit Aufschriften wie "Game over – das Volk wacht auf" oder schlicht "Nein" in die Höhe. Landesweit beteiligten sich laut Innenministerium etwa 120.000 Menschen an den Protesten, davon bis zu 20.000 in der Hauptstadt. Die Organisatoren sprachen von 110.000 Teilnehmern allein in Paris. Am 31. März hatten sich laut Innenministerium noch 390.000 Menschen an den Demonstrationen gegen die Arbeitsrechtsreform beteiligt, am 9. März waren es demnach 224.000.

Die Organisatoren der Proteste in rund 200 Städten führten die relativ niedrigen Teilnehmerzahlen am Samstag auf die Schulferien in zwei Dritteln des Landes zurück. Für den 28. April haben die Gewerkschaften zu erneuten Protesten und einem Streiktag aufgerufen. Am 3. Mai soll das französische Parlament über die Reform beraten. Für Samstagabend waren in fast 60 französischen Städten Versammlungen der Protestbewegung "Nuit debout" (etwa: "Nacht im Stehen" oder "Die Nacht über wach") geplant.

Der sozialistische Staatschef Francois Hollande und sein Premierminister Manuel Valls wollen die gesetzlichen Regelungen zur 35-Stunde-Woche lockern und betriebsbedingte Kündigungen erleichtern. Sie hoffen, auf diese Weise die Rekordarbeitslosigkeit in Frankreich senken zu können – derzeit sind fast 3,6 Millionen Menschen ohne Job, die Arbeitslosenquote liegt bei zehn Prozent.

Die Umfragewerte von Hollande sind ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl im Keller. Laut einer Umfrage vom Samstag wollen nur noch 15 Prozent der Franzosen, dass Hollande sich überhaupt zur Wiederwahl stellt. Das sind fünf Prozentpunkte weniger als vor einem Monat. (APA, 9.4.2016)

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