Mossack Fonseca in El Salvador durchsucht

9. April 2016, 08:13
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Dokumente und Computer beschlagnahmt

San Salvador – In El Salvador haben die Behörden die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca durchsucht, die im Mittelpunkt der Panama-Affäre um Hundertausende Briefkastenfirmen steht. Dokumente und Computer seien in den Räumen der Kanzlei in San Salvador beschlagnahmt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Vertreter von Mossack Fonseca in Panama waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Kanzlei ist auf die Einrichtung von Briefkastenfirmen spezialisiert. Medien haben enthüllt, dass sie für zahlreiche Politiker und Prominente solche Firmen aufgesetzt hat. Briefkastenfirmen können zur Steuervermeidung aber auch für Geldwäsche und Steuerhinterziehung genutzt werden.

Der isländische Ministerpräsident ist im Zuge der Affäre um die "Panama Papers" zurückgetreten. In Bedrängnis geraten ist der britische Premierminister David Cameron, er räumte eine Beteiligung an einer Briefkastenfirma ein. Der argentinische Präsident Mauricio Macri ist im Visier der Ermittler in seinem Land und hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe Informationen in seinen Steuererklärungen unterlassen.

Mitbegründer verteidigt Geschäftsmodell

Der Mitbegründer von Mossack Fonseca in Panama-Stadt, Ramon Fonseca, hat unterdessen sein umstrittenes Geschäft mit mehr als 200.000 Briefkasten-Firmen gegen Kritik verteidigt. Fonseca sagte der "Bild"-Zeitung (Samstag), die von seiner Kanzlei gegründeten Firmen würden "in 99,99 Prozent der Fälle" für gute Zwecke verwendet.

"Wir machen nichts anderes als Tausende Anwälte rund um die Welt: Wir gründen Firmen und Treuhandfonds. Das sind völlig legale Geschäfte. Und normal in einer Welt, in der niemand mehr Geschäfte unter dem eigenen Namen betreiben möchte", betonte Fonseca. Die Bücher der Kanzlei seien offen: "Wir haben in 40 Jahren 250.000 Firmen gegründet. Die werden für allerlei Zwecke verwendet, in 99,99 Prozent der Fälle für gute."

"Verantwortung nicht bei uns"

Fonseca erklärte, seine Kanzlei wisse, aus welchem Land der Hackerangriff auf die Dateien gekommen sei, dürfe es aber nicht sagen: "Wir wurden gehackt, von einem Computer aus Übersee. Ich möchte weitere Nachforschungen über die Täter nicht gefährden."

Fonseca erklärte, bisher habe sich noch keine Ermittlungsbehörde an seine Kanzlei gewandt. "Wir kooperieren vollständig. Aber bisher wurden wir noch von niemanden kontaktiert. Unsere Lizenzen sind auch alle intakt."

Fonseca legte Wert auf die Feststellung, dass in seiner Kanzlei 30 Angestellte die Kunden und deren Geschäfte überprüfen und wies darüber hinaus jegliche Verantwortung von sich. "Wenn jemand mit der gegründeten Firma etwas Krummes machen sollte, liegt die Verantwortung nicht bei uns." (APA, Reuters, dpa, 9.4.2016)

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