Russland half bei Freilassung von US-Bürger in Syrien

8. April 2016, 22:27
14 Postings

Washington dankt Moskau für Intervention

Washington – Nach russischer Vermittlung ist ein seit Jahren in Syrien vermisster US-Bürger von der dortigen Regierung freigelassen worden. Das US-Außenministerium dankte am Freitag der Regierung in Moskau für ihre Intervention in dem Fall. Nach russischen Angaben handelt es sich bei dem Freigelassenen um den 33-jährigen Kevin Dawes.

Er sei in einer Militärmaschine nach Moskau geflogen und Mitarbeitern der US-Botschaft übergeben worden. Der russische Präsident Wladimir Putin ist ein enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, während die USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Syrien seit der brutalen Niederschlagung der regierungskritischen Proteste im Frühjahr 2011 abgebrochen haben.

Illegal eingereist

Die USA wüssten die "Anstrengungen zu schätzen", die die russische Regierung für den freigelassenen US-Bürger unternommen habe, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington. Zur Identität des Freigelassenen wollte er sich aus Gründen des Schutzes der Privatsphäre nicht äußern. Das russische Außenministerium bestätigte jedoch, dass es sich um Dawes handelt, der seit 2012 in dem Bürgerkriegsland vermisst war.

Die syrische Regierung habe Dawes festnehmen lassen, weil er illegal in das Land eingereist sei, hieß es in Moskau. Er sei dann am Freitag vergangener Woche in die russische Hauptstadt gebracht worden und habe Russland inzwischen wieder verlassen. "Wir hoffen, dass er sich nicht wieder in eine ähnliche Lage begibt, und dass Washington die syrische Geste zu schätzen weiß", erklärte das russische Außenministerium.

Laut einer Vermisstenanzeige der US-Bundespolizei FBI war Dawes im September 2012 von der Türkei aus nach Syrien eingereist, im folgenden Monat verlor sich seine Spur.

Das FBI bezeichnete Dawes als freischaffenden Fotografen, in einem ausführlichen Porträt des Magazins "GQ" wurde er jedoch als Abenteurer mit einem Faible für das Leben als Guerillero beschrieben. Vor seinem Verschwinden in Syrien hatte Dawes im Jahr 2011 in einem Interview des US-Radiosenders NPR erzählt, dass er sich zeitweise einer bewaffneten Miliz in Libyen angeschlossen habe.

Mehrere weitere US-Bürger werden nach Angaben des US-Außenministeriums noch in Syrien vermisst, darunter der 31-jährige Fotojournalist Austin Tice. Trotz des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen hatten US-Vertreter zuletzt direkten Kontakt mit syrischen Regierungsmitarbeitern, um nach den verschwundenen US-Bürgern zu forschen, wie der Ministeriumssprecher sagte.

Zum selben Zweck unterhalten die USA den Angaben zufolge auch engen Kontakt zu Russland. "Wir begrüßen die Unterstützung Russlands" bei den Anstrengungen zur Befreiung der US-Bürger in Syrien, sagte der Sprecher. (APA, 8.4.2016)

Share if you care.