Papst öffnet Türen: Mehr Spielraum für geschiedene Katholiken

8. April 2016, 18:17
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In seinem Schreiben zur Familiensynode rüttelt Papst Franziskus nicht an den kirchlichen Vorgaben für wiederverheiratete Geschiedene. Aber er öffnet eine Tür

Die Erwartungen an die "Buchvorstellung" am Freitag im Vatikan waren groß gewesen: Immerhin hatten Bischöfe aus der ganzen Welt in den vergangenen zwei Jahren ausgiebig über die Familie diskutiert und dabei auch kontroverse Themen wie den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen oder Homosexuellen angeschnitten. Diese beiden ewigen Streitpunkte finden sich auch im nachsynodalen Schreiben "Amoris laetitia" ("Freude der Liebe") wieder, in dem Papst Franziskus seine Eindrücke der Synode zusammenfasst. Doch auf konkrete Vorgaben, auf die endgültige römische Lösung, verzichtet der Papst – zumindest bei den wiederverheirateten Geschiedenen.

"Wenn man die zahllosen Unterschiede der konkreten Situationen berücksichtigt, kann man verstehen, dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende kanonische Regelung erwarten durfte", schreibt Franziskus. Der Papst betont stattdessen die Wichtigkeit der "Unterscheidung", die Notwendigkeit, nicht alle Verbindungen über einen Kamm zu scheren. Es gebe viele Gründe, warum eine Ehe scheitern könne.

Und da die Verantwortung nicht in allen Fällen dieselbe sei, müssten auch die Konsequenzen oder die Wirkungen einer kirchlichen Norm (wie der Ausschluss von der Kommunion) nicht immer die gleichen sein: "Die Priester haben die Aufgabe, die betroffenen Menschen entsprechend der Lehre der Kirche und den Richtlinien des Bischofs auf dem Weg der Unterscheidung zu begleiten."

Der Schlüssel zur seelsorgerischen Begleitung der wiederverheirateten Geschiedenen und anderer Gläubiger, die in "irregulären Situationen" lebten, sei die Integration, betont Franziskus. Es gehe darum, alle einzugliedern. Man müsse jedem Einzelnen helfen, seinen eigenen Weg zu finden, an der kirchlichen Gemeinschaft teilzuhaben. "Niemand darf auf ewig verurteilt werden, das ist nicht die Logik des Evangeliums."

Abstraktes Familienbild

Die Kirche wende sich liebevoll auch jenen zu, die "auf unvollendete Weise an ihrem Leben teilnehmen" – diese Haltung finde auch im laufenden Jahr der Barmherzigkeit ihren Ausdruck. Außerdem müsse die Kirche "demütig erkennen", dass sie mit ihrem bisherigen Festhalten an einem abstrakten Idealbild der Familie, das oft wenig mit der Realität zu tun gehabt habe, die "Ehe nicht erstrebenswerter gemacht, sondern das völlige Gegenteil bewirkt" habe.

Diese Selbstkritik und die Barmherzigkeit gegenüber menschlichem Scheitern dürften aber nicht verwechselt werden mit einer Haltung des Laisser-faire. Die Kirche dürfe nicht darauf verzichten, sich zugunsten der Ehe zu äußern, nur um "in Mode zu sein". Angesichts des "moralischen und menschlichen Niedergangs" würde man der Welt damit Werte vorenthalten, die sie nötig habe.

Ehe und Familie behielten ihren hohen Stellenwert: "Nur die ausschließliche, unauflösliche Vereinigung zwischen einem Mann und einer Frau erfüllt die vollkommene gesellschaftliche Funktion, weil sie eine beständige Verpflichtung ist und die Fruchtbarkeit ermöglicht."

Der Verweis auf die Fruchtbarkeit ist zugleich eine klare Absage an die Homo-Ehe: Die Kirche müsse zwar die Vielfalt familiärer Situationen anerkennen, die einen "gewissen Halt" geben könnten. "Doch die eheähnlichen Gemeinschaften oder die Partnerschaften zwischen Personen gleichen Geschlechts können nicht einfach mit der Ehe gleichgestellt werden", heißt es in Papst Franziskus' "Amoris laetitia".

Denn keine widerrufliche oder der Weitergabe des Lebens verschlossene Vereinigung sichere die Zukunft der Gesellschaft. Im Gegenteil: Diese Partnerschaftsformen beeinträchtigten "die Reifung der Personen und die Pflege der gemeinschaftlichen Werte". Das hatten selbst Franziskus' konservativer Vorgänger, Johannes Paul II. und Benedikt XVI., nicht deutlicher ausgedrückt. (Dominik Straub aus Rom, 8.4.2016)

  • Eine Familie bei der Generalaudienz des Papstes. In Sachen Homo-Ehe bleibt er bei seinem Nein.
    foto: ap / andrew medichini

    Eine Familie bei der Generalaudienz des Papstes. In Sachen Homo-Ehe bleibt er bei seinem Nein.

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