Finanzaffäre, EU und Brexit: Zeitbombe Cameron

Kommentar8. April 2016, 18:01
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Der Premier verlor über Nacht viel an Glaubwürdigkeit und Vertrauen

David Cameron hat ein gröberes Problem: Er gab erst unter Druck zu, dass er und seine Frau bis 2010 Anteile an einer steuerschonenden Briefkastenfirma seines Vaters auf den Bahamas hatten. Es geht dabei nicht um riesige Summen. Dennoch ist nicht mehr auszuschließen, dass der Premierminister die Affäre nicht überlebt.

Die Opposition fordert seinen Rücktritt, Kritik kommt auch von konservativen Parteifreunden. Die in solchen Fällen extraharten britischen Medien durchleuchten gerade jeden Winkel in Camerons Vita nach unsauberen Details.

Noch vor drei Tagen hatte er Anfragen zur Blairmore-Firma als "Privatsache" abgeschmettert. Jetzt sieht es daher so aus, als wollte er etwas verbergen. Die Folge: Der Premier verlor über Nacht viel an Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Auch wenn rechtlich alles sauber wäre, Cameron griff politisch schwer daneben. Plötzlich erscheint fragwürdig, warum er sich auf EU-Ebene stets um Interessen der Finanzindustrie sorgte und gegen strengere Regeln auftrat.

Für die EU-Partner ist nun Feuer am Dach. Cameron gleicht einer Zeitbombe. Sein Stolpern kommt zur ungünstigsten Zeit. Ende Juni stimmen die Briten über den Verbleib in der Union ab. Basis beim Referendum sind Sonderrechte in der EU, die der Premier persönlich im Februar ausgehandelt hat. Fiele er jetzt, würde das Lager der EU-Skeptiker triumphieren. Ein Brexit wäre nicht auszuschließen. In der EU bliebe dann kein Stein auf dem anderen. (Thomas Mayer, 8.4.2016)

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