70 Prozent wollen sicher zur Hofburg-Wahl gehen

8. April 2016, 19:20
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Alexander Van der Bellen liegt nach wie vor vorne – dahinter folgen FPÖ-Kandidat Norbert Hofer und Irmgard Griss

Wien – "Die Wahlbeteiligung ist ausgeprägter als noch vor Ostern", sagt der Meinungsforscher Peter Hajek, "es ist eine Wahlbeteiligung von plus/minus 70 Prozent zu erwarten". Abhängig sei das vom Wahlkampfverlauf in den letzten beiden Wochen vor der Wahl am 24. April. Die Quote der Unentschlossenen ist jedenfalls zurückgegangen. Knapp 20 Prozent geben an, sich noch nicht entschieden zu haben.

Van der Bellen noch immer vorne

Hajek hat für den "Österreich.Trend" des Fernsehsenders ATV diese Woche eine aktuelle Umfrage mit einer Stichprobengröße von 700 Befragten durchgeführt, die Schwankungsbreite beziffert er mit plus/minus 3,7 Prozent. Was sich sagen lässt: Alexander Van der Bellen liegt nach wie vor in Führung. Richard Lugner hat keine Chancen, in die Stichwahl zu kommen.

Deklarierte Wähler von Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Norbert Hofer (FPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) sind sich der Stimmabgabe für ihre Kandidaten sicherer, als das die Wähler von Van der Bellen und Irmgard Griss sind. Ein Drittel der Wähler schwankt noch zwischen zwei Kandidaten.

Laut der jüngsten Umfrage von Hajek kommt Van der Bellen derzeit auf 27 Prozent, Hofer auf 24, Griss auf 19, gefolgt von Hundstorfer (14) und Khol (12). Lugner liegt derzeit bei vier Prozent.

Frage der Deklaration

Die unterschiedlichen Schwankungsbreiten bei den einzelnen Kandidaten – bei Van der Bellen ergibt sich eine Spannbreite von 22,5 bis 31,5 Prozent und bei Hofer eine von 19,6 bis 28,4 Prozent (siehe Grafik) – sind exakt berechnet, und ergeben sich aus der Stichprobengröße der deklarierten Wähler.

Laut Hajek ist die größte Herausforderung in der Hochrechnung die Einschätzung der Werte von Van der Bellen und Hofer. Hajek: "Bei Van der Bellen stellt sich die Frage, wie stark die klassische grüne Überdeklaration greift, während sich bei Hofer die Frage stellt, ob sich seine Wähler ausreichend deklarieren. Die Werte von Griss, Hundstorfer und Khol sind relativ stabil."

  • Laut Hajek müsste es Van der Bellen aus jetziger Sicht sicher in die Stichwahl schaffen – vorausgesetzt der Wahlkampf läuft weiter wie bisher. Der Vorsprung auf Norbert Hofer ist statistisch allerdings nicht signifikant.

  • Hofer hat sehr gute Voraussetzungen in die Stichwahl zu kommen. Er schöpft das Wählerreservoir der FPÖ gut aus. Die entscheidende Frage laut Hajek: Geht auch der Großteil seiner Wähler tatsächlich zur Wahl?

  • Irmgard Griss liegt abgesichert auf Rang drei. Der Abstand zu Hofer ist nicht signifikant, damit ist auch für Griss die Stichwahl möglich.

  • Rudolf Hundstorfer hat, statistisch gesehen, Griss in Reichweite, jedoch nicht Norbert Hofer. Hajek: "Er bräuchte ein starkes Überraschungsmomentum, um seine kleine Chance zu wahren. Sein Potenzial sind die noch schwankenden SP-Wähler, die derzeit bei Van der Bellen sind."

  • Andreas Khol kämpft mit dem Problem, dass im konservativen Lager drei Kandidaten antreten. Das schmälert die Stimmen aus dem ÖVP-Potenzial. Zudem kann er wenige Wähler außerhalb seiner Partei ansprechen.

Spannend ist die Sicherheit der Stimmabgabe für die jeweiligen Kandidaten, die Hajek abfragen ließ. Während bei Van der Bellen nur 46 Prozent der deklarierten Sympathisanten angeben, diesen "ganz sicher" zu wählen, sind es bei Hundstorfer 62 Prozent und bei Hofer 61 Prozent. Am schlechtesten schneidet hier Irmgard Griss ab, bei ihr geben nur 42 Prozent ihrer Sympathisanten an, sie ganz sicher wählen zu wollen.

Auf die Frage, wer auf keinen Fall Bundespräsident werden soll, nannten 59 Prozent Lugner, jeweils 22 Prozent nannten Hofer und Van der Bellen.

ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner will bei einer Niederlage seines Kandidaten "Nerven bewahren". Wie immer das Ergebnis ausfalle, es sei "kühn, zu glauben, dass sich die Regierung am nächsten Tag auflösen wird", sagte er in der "Tiroler Tageszeitung". (völ, 9.4.2016)

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