Der Wirre und die Derwische

9. April 2016, 14:14
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Es könnte sein, dass Mölzer das mit den "herrlichsten Gütern der eigenen Kultur" ein wenig übertreibt, liefert doch die "Kronen Zeitung" solche immer wieder

Oswald Spengler muss als armseliger Verharmloser gelten, seit auch Andreas Mölzer entdeckt hat, dass das Abendland untergeht, jetzt aber wirklich. Und das nicht erst, seit Oswald Spengler dies geschichtsmorphologisch diagnostizierte. Denn wenn ein Geschichtsmorphologe wie Mölzer sich einmal der Sache annimmt, wie er es zuletzt in "Zur Zeit" tat, dann hat dieser Untergang ja bereits 1789 mit dem Sturm auf die Bastille begonnen, oder vielleicht ganz konkret 1806, als Franz Habsburg-Lothringen die Krone des alten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in der Assignatenkammer der Geschichte entsorgte. Kann aber ebenso gut nach dem Ende des Dreißigjährigen europäischen Bürgerkrieges, der zwischen 1914 und 1945 gewütet hatte, gewesen sein. Ist aber letztlich auch egal, denn jetzt geht es alternativlos und mit bemerkenswerter Konsequenz und von Jahr zu Jahr immer geschwinder.

Und das hat seine Gründe: durch die Landnahme der Elenden aus dem Nahen Osten, aus Afrika und anderen Teilen der Dritten Welt. Und zu diesem Untergang gehören nicht nur die eindringenden Barbaren, dazu gehören natürlich auch die Kapitulanten aus dem eigenen Gesellschaftsgefüge.

Sowie, nicht zu vergessen, jene, die die herrlichsten Güter der eigenen Kultur für die Befriedigung ihrer Eitelkeiten oder eine Handvoll Silberlinge preiszugeben bereit sind. Es könnte natürlich sein, dass Mölzer das mit den herrlichsten Gütern der eigenen Kultur ein wenig übertreibt, liefert doch die "Kronen Zeitung" solche immer wieder. Wie zum Beispiel Isabella, die sich neulich an einem einsamen Strand und auf Seite 9 räkelte, um, nur mit einem Schnürl bekleidet, der Leserangst vor dem Untergang des Abendlandes kulturell entgegenzuwirken. Das an dieser Stelle übliche Angebot erfuhr ein kulturelles Upgrading insofern, als diesmal nicht mitgeteilt wurde, das Objekt der Begierde wolle unbedingt Molekularbiologin werden. Nein, wer sich die Schöne genau ansehen will, kann das dank 360-Grad-Modus. Einfach die "Krone"-ePaper-App herunterladen oder im Internet reinklicken: epaper.krone.at.

Kein Wunder, wenn bei so mancher Übereinstimmung im Grundsätzlichen der geschäftsführende Chefredakteur der "Krone" die Untergangsängste des "Zur Zeit"-Herausgebers nicht teilt. Im Gegenteil, wir ärgern uns mit unseren Lesern, spulte er wie jeden Sonntag die mystische Einheit zwischen Blatt und Lesern ab, aber wir freuen uns auch mit ihnen. Und bereiten auch gerne Freude – wie etwa mit dem Gratis-Panini-Sammelalbum zur EURO. Wenn er jetzt zusätzlich zum 360-Grad-Modus für alle, die sich die Schöne genau ansehen wollen, noch eine "Krone"-ePaper-App einrichtet, damit sich schönheitsdurstige Leser auch noch gynäkologisch reinklicken können, wär's doch verdammt schade, sollte das Abendland untergehen.

Das christliche Abendland als solches ist längst untergegangen, widerspricht der Spengler-Aufguss Mölzer dem "Krone"-Kolumnisten Schönborn. Jesus Christus, der Nazarener, hat Europa längst verlassen, während die Elenden aus seiner Gegend hier zur Landnahme schreiten. Schuld sind seine mutmaßlichen Stadthalter (sic!), der Weise aus Regensburg und der Wirre aus Buenos Aires ebenso wie auch der Wiener Purpurträger aus reichsgräflichem Hause, sie haben dieses Abendland längst preisgegeben.

Anderes hätte sich nicht mehr gelohnt. Was sollen sie sich gegen die tanzenden Derwische der Islamisierung zur Wehr setzen, wenn es längst nicht mehr um einen christlichen Kontinent, sondern allenfalls um einen agnostischen, einen glaubenslosen geht? Dass im Vatikan seit dem unfehlbaren neunten Pius – und das ist schon einige Zeit her – nur mehr Pontifex-Darsteller residieren, mag übertrieben sein, Tatsache ist allerdings, dass sie alle das alte christliche Abendland mehr oder minder kampflos preisgegeben haben.

Nun wollen die tanzenden Derwische der Islamisierung zwar keinen christlichen Kontinent, aber sicher auch keinen agnostischen oder glaubenslosen. Doch für jemanden, der Christus so verinnerlicht hat wie ein deutschnationaler Derwisch, ist das auch kein Trost. Da bleibt uns nur mehr die Trostlosigkeit, wie sie die Aufklärung durch den Gottesmord verursacht hat. Und ein Kulturpessimismus, der nicht die Kraft hat, das Eigene zu verteidigen. Nur eines kann das Abendland retten: Norbert Hofer muss Bundespräsident werden. (Günter Traxler, 9.4.2016)

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