Luftfahrt: Was passieren kann, wenn das Handy nicht im Flugmodus ist

24. April 2016, 09:10
99 Postings

Störende Interferenzen bei Funkkommunikation möglich, aber kaum Unfallpotenzial

Es ist eine Routinedurchsage vor jedem Flug. Elektronische Geräte müssen während des Fluges in den Flugmodus geschalten oder – wenn sie über einen solchen nicht verfügen – abgedreht werden. "Aus Gründen der Flugsicherheit", heißt es meist beiläufig als Begründung.

Doch welche Gefahr besteht eigentlich, wenn man etwa vergisst, das eigene Smartphone in den Flugmodus zu versetzen. Kann ein solches Versehen gar einen Absturz herbeiführen? Zu diesem Thema klärt ein Berufspilot auf der Seite Airline Updates auf.

Good News

Die gute Nachricht: Dass ein Handy tatsächlich Anzeigeinstrumente des Flugzeugs beeinflusst, ist heutzutage weitgehend auszuschließen. Berichte über derartige Phänomene sind mittlerweile schon etwas älter, mittlerweile ist die Abschirmung von Elektronik gut genug, um derartige Störungen zu verhindern.

Störgeräusche

Durchaus möglich, wenn auch selten, ist, dass ein Smartphone Störungen im Funkverkehr verursacht. Insbesondere wenn das Handy auch noch aktiv auf niedrigeren Flughöhen für GSM-Funkverkehr genutzt wird. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings räumliche Nähe zum Cockpit. In kleineren Nahstreckenfliegern kommen die ersten paar Sitzreihen dafür in Betracht. Bei großen Fernstrecken-Jets befindet sich zwischen der Pilotenkammer und dem Passagierraum üblicherweise noch eine Kabine für die Flugbegleiter.

Die potenziellen Folgen in Form von Interferenzen kennt man auch aus dem Alltag, wenn man etwa das Handy zu nahe an einem schlecht abgeschirmten Lautsprecher liegen lässt. Kommt ein Anruf oder eine SMS herein, hört man entsprechende, im Takt surrende Störgeräusche. Im Flugzeug hören diese dann die Piloten über ihre Kopfhörer. Der Funkverkehr kann dadurch übertont oder auch kurz unterbrochen werden.

Ernste Probleme fast auszuschließen

Risikopotenzial besteht hierbei dadurch, dass möglicherweise wichtige Funksprüche überhört werden könnten. Da die Piloten aber auf allerlei Ausnahmesituationen trainiert sind – darunter ein vollständiger Ausfall der Navigationsinstrumente – gibt es nur sehr wenige Szenarien, in denen tatsächlich Gefahr droht.

Genannt wird ein Beispiel, in dem durch die Interferenzen zwei Flieger auf einem Flughafen ein Tower-Kommando als Startfreigabe verstanden und von unterschiedlichen Seiten auf die gleiche Startbahn zusteuerten. Derlei Probleme werden aber üblicherweise von Kontrolleuren im Tower schnell entdeckt.

Trotzdem besser einschalten

Tatsächlich sind Handy-bedingte Störungen für die Piloten hauptsächlich irritierend bis nervig, insbesondere wenn ein Passagier etwa eine längere SMS-Konversation führt. Theoretisch kann ein Pilot veranlassen, dass die Fluglinie gegen einen auf diese Weise störenden Passagier vorgeht, in der Praxis passiert dies allerdings aufgrund des notwendigen Aufwands zur Ermittlung des Übeltäters und der damit verbundenen Formulararbeit nicht.

Freilich: Dass es bei älteren Flugzeugmodellen auch zu anderen Störungen kommen kann, ist nicht ganz auszuschließen. Bis die Luftfahrtbehörden hier also die Richtlinien nicht lockern, tut man gut daran, der Aufforderung, den Flugzeugmodus zu verwenden, nachzukommen. (gpi, 24.04.2016)

  • Trotz niedrigen Gefahrenpotenzials sollte man den Flugmodus an Bord besser einschalten.
    foto: derstandard.at/pichler

    Trotz niedrigen Gefahrenpotenzials sollte man den Flugmodus an Bord besser einschalten.

Share if you care.