Auf vier Sterne in unserer Nachbarschaft dürfte ein Brauner Zwerg kommen

8. April 2016, 17:52
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Potsdamer Astrophysiker finden eine "leere" Stelle auf Himmelskarten, die bisherige Berechnungen in Frage stellt

Potsdam – Braune Zwerge, oft als "gescheiterte Sterne" bezeichnet, sind weder Sterne noch Planeten. Es handelt sich um Objekte in einem Bereich von etwa der 13-fachen bis 75-fachen Masse des Jupiter. Das sind keine willkürlichen Grenzen, die Astronomen hier gezogen haben: Mit einer solchen Masse können Braune Zwerge in ihrem Inneren nicht genügend Druck und Hitze für die Wasserstofffusion zu Helium aufbauen, was sie zum Stern machen würde. Anders als selbst große Planeten sind sie jedoch zur Deuteriumfusion in der Lage – besonders große Braune Zwerge auch zur Lithiumfusion.

Da es sich um leuchtschwache Objekte handelt, die nur im Infrarotbereich strahlen, sind sie schwer zu beobachten, was Schätzungen über ihre Anzahl natürlich sehr erschwert. Eine große Anzahl Brauner Zwerge im uns umgebenden Teil der Milchstraße dürfte daher bislang unbemerkt geblieben sein, berichtet das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP): Genug, dass man die Schätzungen der Häufigkeit stark nach oben revidieren müsste.

Die Leerstelle

Die beiden AIP-Forscher Gabriel Bihain und Ralf-Dieter Scholz haben sich die Verteilung bereits bekannter Brauner Zwerge in unserer Nähe nochmals aus einem anderen Blickwinkel angesehen. Zu ihrer Überraschung fanden sie eine signifikante Asymmetrie, die stark von der Verteilung der Sterne abweicht.

"Ich habe die bekannten nahen Braunen Zwerge auf die galaktische Ebene projiziert und bemerkt: der halbe Himmel ist beinahe leer! Das war eine völlig unerwartetes Ergebnis, denn wir betrachten eine Umgebung, die eigentlich gleichförmig aussehen sollte", sagt Bihain. Die leere Region überlappt, von der Erde aus gesehen, zu einem großen Teil mit dem Nordhimmel.

Entdeckungen sind zu erwarten

Die Forscher gehen daher davon aus, dass es viele weitere Braune Zwerge gibt, welche die von ihnen gefundene Lücke füllen werden. Ging man bisher davon aus, dass in unserer Umgebung auf sechs Sterne ein Brauner Zwerg kommt, so errechnen die beiden Forscher eher einen Wert von vier zu eins.

"Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich neben normalen Braunen Zwergen auch weitere Objekte mit noch geringerer, planetarer Masse in den Beobachtungsdaten verstecken. Es lohnt sich also definitiv, die vorhandenen und zukünftigen Daten noch einmal neu zu durchforsten", sagt Scholz. (red, 8. 4. 2016)

  • Innerhalb ihres festgelegten Massespektrums können Braune Zwerge ganz unterschiedliche Erscheinungsformen annehmen.
    illustration: aip/j. fohlmeister

    Innerhalb ihres festgelegten Massespektrums können Braune Zwerge ganz unterschiedliche Erscheinungsformen annehmen.

  • Die Verteilung der bekannten nahen Braunen Zwerge vor den beiden Hemisphären der Milchstraße lässt erahnen: Hier wurde bislang etwas übersehen.
    illustration: aip/2mass

    Die Verteilung der bekannten nahen Braunen Zwerge vor den beiden Hemisphären der Milchstraße lässt erahnen: Hier wurde bislang etwas übersehen.

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