Vison S: Fünfzig Meter Ausfahrt mit einer Vision

12. April 2016, 05:20
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Die Sensation, mit einem Showcar zu fahren, bleibt überschaubar. Man kommt nicht weit. Und der Erkenntnisgewinn ist bescheiden. Besser, man schaut sich so ein Auto im Scheinwerferlicht eines Automobilsalons an.

Mladá Boleslav – Die Studie VisionS fand bereits vor ein paar Wochen am Genfer Autosalon Beachtung und wurde als Vorschau für den "echten" SUV beschrieben. Studien sind im allgemeinen Showcars, die eine Kostprobe auf eine wahrscheinliche Modellzukunft geben und durch allerlei realitätsfernen Schnickschnack die Schaffenskraft des Herstellers auf technischem und gestalterischem Gebiet herausstreichen, für Gesprächsstoff sorgen und eine magnetische Wirkung auf die Besucher ausüben sollen. Das ist Skoda mit dem VisionS zweifellos gelungen.

foto: skoda
Die äußere Hülle des VisionS gibt schon einen konkreten Eindruck vom Erscheinungsbild des 2017 startenden Serienmodells. Alles andere fällt, wie bei Studien üblich, unter die Rubrik Sternenstaub.

Was ist an ihm abzulesen? Dass ein SUV im Markenportfolio aufgrund der weltweiten Nachfrage unverzichtbar ist. Wie sich Skoda ein SUV vorstellt, nämlich als einen großen, rund 4,70 Meter langen Sechssitzer, dessen Form das künftige Serienmodell vorwegnimmt und – wie es die Spatzen von den Dächern pfeifen – unter dem Namen Kodiak 2017 tatsächlich erscheinen wird. In der neuen Designlinie von Skoda, deren Gene schon in den überarbeiteten Octavia und Fabia stecken.

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Dieser Kodiak soll eine wahre SUV-Offensive bei Skoda eröffnen, die vom Yeti-Nachfolger plus möglicherweise einem sehr kompakten Format auf Basis des Fabia ergänzt werden. Die im VisionS angedeutete Motorisierung lässt auf eine Variante als Plug-in-Hybrid schließen. Mit einer Systemleistung von 225 PS, zusammengesetzt aus 156 Benzin-PS und E-Motoren an den Achsen: 40 kW vorn im Zusammenspiel mit einem 6-Gang-DSG, 85 kW hinten als eleganter Allrad ohne mechanische Verbindung. Das Ganze soll den VisionS/Kodiak in 7,4 Sekunden auf 100 km/h schnellen, lediglich 1,9 Liter verbrauchen (45 g CO2 / km), bis zu 50 km weit elektrisch schnurren und insgesamt 1000 km ohne Tankstopp.

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Logisch, dass der modulare Querbaukasten des VW-Konzerns auch die Progressivlenkung oder das adaptive Dämpfersystem in den VisionS spült. Die stattlich-elegante Hülle und der Antrieb entsprechen also allen Erwartungen an das Serienmodell.

Alles andere im und am VisionS fällt unter die Rubrik Sternenstaub. Etwa die mitreißende Verwendung von Bleikristallglas als Träger für die Screens im Innenraum, für Zierrat am Armaturenbrett und Türverkleidungen, für die illuminierten, vertikalen Streben am Kühler und das Skoda-Emblem oder die Leuchteinheiten, die später herkömmlicher Technik weichen werden.

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Überhaupt das ganze "Fernsehen" auf allen Plätzen, das wohl die Hoffnung auf erhöhte Konnektivität nährt, der sich ja die gesamte Branche intensiv widmet. Wobei darüber gestritten werden kann, ob die Verbundenheit der Insassen wirklich auf digitalem Weg geschehen soll, wenn man ohnehin auf engem Raum zusammensitzt. Man könnte schließlich auch altmodisch zum anderen etwas "sagen".

Die Testfahrt

Dass dem VisionS erneute Aufmerksamkeit geschenkt wird, liegt darin begründet, dass er von Motorjournalisten gefahren werden konnte. Üblicherweise werden die Einzelstücke, sollten sie je an die Öffentlichkeit gelangen, scharf bewacht. Da aber Skoda sein Neuigkeitspulver für heuer verschossen hat, lud man zur "Testfahrt". In einem unwirtlich kühlen, kahlen Hallenneubau in der Skoda-Zentrale, wo der VisionS wie ein Edelstein funkelte.

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Man durfte einen Dreiviertelkreis zurücklegen im Durchmesser von vielleicht 25 Metern, der sich dadurch ergab, dass der Lenkeinschlag (ohne Servo) keine engere Wendung zuließ. Und dass die Finger des Berichterstatters von der automatisch ausfahrenden (und wieder schließenden) Türschnalle geklemmt wurden, trug nicht zum Jubel über diese Sonderbehandlung bei. (Andreas Hochstöger, 12.4.2016)

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Skoda

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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