Böse Neidhammel, liebe Plutokraten

Kolumne8. April 2016, 17:00
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Die Lehren aus den Panama Papers

So wie es ausschaut, ist der isländische Premier Sigmundur Davíð Gunnlaugsson ganz oder halb zurückgetreten. Das stimmt den Krisenkolumnisten traurig. Ich habe diesen kostbaren Mann mit dem kindlichen Äußeren und dem großen Pelikan-Goder, in dem ohne weiteres ein Büschel 500-Euro-Scheine Platz hätte, immer gern gesehen.

Der speckige Eindruck, den Gunnlaugsson dabei hinterließ, zeugt auch von einer oft übersehenen Tragik der Offshore-Anleger. Die stressigen Kommunikationszwänge mit der Bank in Panama-Stadt verleiten leicht dazu, dass man beim Essen nicht aufpasst und beim Trottellummenschnitzel (Trottellumme=beliebter isländischer Speisevogel) und dem Flechtensalat über die Stränge haut. Das sieht man dann natürlich auf der Waage!

Ein anderes schmähliches Kapitel ist der Umgang der Medien mit den Panama-Anlegern. Anstatt die Sache konstruktiv zu betrachten, veranstaltet die Internationale der Habenichtse, Neidhammel und sonstiger Sozis ein Scherbengericht nach dem nächsten. Dabei könnte man ja zur Abwechslung auch einmal positiv denken.

Erstens ist der Transfer von ein paar Milliarden an die Briefkastenfirma genauso legal wie ein Mahnschreiben des Finanzamts, dass man mit der Einkommenssteuervorauszahlung von 72 Euro säumig ist. Zweitens ist Offshore-Banking nachhaltig und ökologisch einwandfrei (schmutziges Geld wird blütenweiß).

Und: Es schafft Vertrauen, weil man davon ausgehen kann, dass jeder Erdenbürger mit einem Vermögen von 100 Millionen plus sein Erspartes nicht in unsauberen Kanälen (Steuergeld für Kindergärten, Schulen, Spitäler etc.) versickern lässt, sondern an hygienischen Plätzen wie den Jungferninseln oder Delaware bunkert. Last, but not least ist Offshore-Banking frei von jenen kleinkarierten Nationalismen, die schon so viel Unheil über die Welt gebracht haben. In Panama-Stadt wird Isländisch Moos genauso vorurteilsfrei veranlagt wie Arabisch Moos, Iranisch Moos oder Österreichisch Moos.

Wacht auf, Plutokraten dieser Erde! Befreit Euch aus der Knechtschaft der unteren 99 Prozent! In einem schönen Akt des Milliardärswiderstandes könntet Ihr den globalen Finanzbehörden allein bei der Namenswahl für Eure Briefkastenfirmen mitteilen, was Ihr von ihnen haltet. "Leckarsch Unlimited" wäre zum Beispiel ganz ausgezeichnet. (Christoph Winder, 8.4.2016)

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