Wortstellungsfehler sind häufig, weil die Satzplanungzeit ist zu kurz

10. April 2016, 11:48
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Deutsche Forscher untersuchten, warum wir Weil-Sätze so oft falsch bilden

Nijmegen/Koblenz – Bei dieser Überschrift wollte der eine oder andere vermutlich schon energisch auf den Posting-Button klicken. Das Prädikat im Nebensatz an der falschen Stelle: In einem Text fast undenkbar, dass so ein Fehler passiert – in der gesprochenen Sprache hingegen kommt es auffällig oft vor, dass die Wortstellung in Weil-Sätzen durcheinander gerät. Warum das so ist, untersuchten Forscher der Max-Planck-Gesellschaft.

Gerard Kempen vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik und Karin Harbusch von der Universität Koblenz-Landau widmeten sich Kausalsätzen. Diese können mit "weil", "da" oder auch dem mittlerweile veralteten "zumal" eingeleitet werden, die allesamt einen Nebensatz bedingen. Dazu gibt es dann auch noch die kausale Hauptsatzkonjunktion "denn", bei der die Wortstellung des Titels richtig wäre.

Zu schnell für Korrektheit

Kempen und Harbusch zogen eine große Sammlung gesprochener Dialoge heran und filterten daraus alle "Kausalsätze" im weiteren Sinne (also beginnend mit "weil" und "da", aber auch mit "denn") heraus. Als entscheidenden Faktor, warum Sätze wie "Das sagt man nicht, weil das ist ja falsch." in der gesprochenen Sprache häufig vorkommen, machten die beiden Forscher die Planungszeit aus: Ein zu kurzer Satzplanungshorizont beim Sprechen führe zur Fehlkoordination zwischen Satzformulierung und Wortwahl.

Den beiden Forschern zufolge ist der Sprecher nicht immer imstande, den Inhalt des Kausalsatzes und dessen grammatikalisch korrekte Form im engen Zeitfenster, das er beim Sprechen hat, präzise festzulegen. Erschwerend komme hinzu, dass die Entscheidung, dem Hauptsatz eine Begründung folgen zu lassen, oft erst spät falle. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlkoordination zwischen Satzformulierung auf der einen und Wortwahl auf der anderen Seite.

Und warum nicht einfach "denn"?

Ist die Entscheidung für "weil" als Konjunktion bereits gefallen, können Planungsprobleme bei der Satzformulierung dazu führen, dass das Vorhaben abgebrochen wird. Dadurch äußert sich der Inhalt des Kausalsatzes nicht mehr als Weil-Nebensatz mit dem Prädikat korrekterweise am Ende, sondern als neuer Satz – also als Hauptsatz.

Zwar könnte der Sprecher statt "weil" auch "denn" verwenden und so das Problem umgehen. Hier funkt laut den Forschern aber die höhere Nutzungshäufigkeit von "weil" im gesprochenen Deutsch dazwischen. Dadurch sei das Wort schneller im mentalen Vokabular verfügbar als die konkurrierenden Begriffe und "unterdrücke" sie dadurch. (red, 10. 4. 2016)

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