Mittelstark: Heurige Influenza im Rückblick

8. April 2016, 12:26
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Influenzavirusforschung besteht aus Virusanalysen, Rückblicken und Vorhersagen – Wiener Wissenschafterinnen ziehen Resümée für die Saison 2015/16

Die Influenza-Saison 2015/2016 ist in Österreich nur Mittelmaß gewesen. Zu diesem Schluss kommen die Wiener Expertinnen Monika Redlberger-Fritz und Theresia Popow-Kraupp vom Department für Virologie der Med-Uni Wien jetzt in ihrer Rückbetrachtung auf die Erkrankungswelle. International wurde eine regional unterschiedliche Verbreitung von Virusvarianten registriert.

"Im Vergleich zum vergangenen Jahr, in dem die Grippewelle überdurchschnittlich stark war – haben wir es heuer sowohl was ihre Dauer, ihr Ausmaß und auch die Schwere der Erkrankungen betrifft wieder mit einer durchschnittlichen Grippewelle zu tun", schreiben die Wissenschafterinnen. Der Höhepunkt wurde Mitte Februar erreicht.

In Wien wurden in der sechsten Woche des Jahres 2016 rund 14.000 Neuerkrankungen an grippalen Infekten und Influenza errechnet. 2013 waren es bei einer deutlich intensiveren Influenza in Wien am Gipfelpunkt in einer Woche um die 17.000 Erkrankungen gewesen, 2015 in der Woche der meisten Neuerkrankungen mehr als 15.000.

Viren kursieren

"Die genauen Analysen der zirkulierenden Viren zeigten, dass bei 35 Prozent der Erkrankten Viren des Subtypes A(H1N1)pdm09 nachgewiesen wurden, wohingegen in lediglich elf Prozent der untersuchten Proben A(H3N2) Viren gefunden wurden", stellten die Fachleute fest. Der A(H1N1)-Virusstamm entspricht jenem der Influenza-Pandemie (2009/2010).

Es gab aber in Österreich im Laufe der Erkrankungswelle in dieser Saison eine Sonderentwicklung. "Noch während die Grippewelle auf ihren Höhepunkt zusteuerte, wurde bereits eine starke Zunahme von Influenza B Virusinfektionen verzeichnet.

Während diese in den letzten Jahren üblicherweise erst gegen Ende der Grippewelle zugenommen haben, setzte die Influenza B-Aktivität in diesem Jahr ungewöhnlich früh und auch ungewöhnlich stark ein und dominierte letztlich die gesamte Grippewelle. In 54 Prozent der getesteten Proben konnten Influenzaviren vom Typ B nachgewiesen werden", stellten Monika Redlberger-Fritz und Theresia Popow-Kraupp fest. Die Influenza B verläuft normalerweise mit geringeren Symptomen als eine Influenza A.

Virulente Stämme

Der "durchschlagende Effekt" der Influenza-B-Viren in der Grippesaison 2015/2016 dürfte zu einem guten Teil auch darauf zurückzuführen sein, dass 99 Prozent der zirkulierenden Influenza-B-Virusstämme sogenannte Victoria-Subtypen waren. Gegen sie schützten die Dreifach-Impfstoffe in diesem Jahr kaum.

Weltweit hätten die virologischen Überwachungssysteme – Flunet der Weltgesundheitsorganisation (WHO), European Influenza Surveillance Network (EISN) des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC – in dieser Saison ein sehr unterschiedliches Muster der dominierenden Influenzavirus Typen, Subtypen und Stämme festgestellt, schrieben die Expertinnen.

Dabei seien teilweise auch kleinräumig sehr unterschiedliche Zirkulationsmuster beobachtet worden. So wurden zum Beispiel in Skandinavien und Großbritannien fast ausschließlich A(H1N1)-Viren registriert. In der Schweiz und in Ungarn wurden – wie in Österreich – mehr Influenza-B-Viren identifiziert. (APA, 8.4.2015)

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