Günstigere Cupcakes für Frauen: Experiment führt zu Morddrohungen im Netz

24. April 2016, 09:19
631 Postings

Unterschiedliche Preise sollten auf Diskriminierung aufmerksam machen und sorgten für einen Shitstorm

Als Teil einer "Feminist Week" wollten die Frauen der Studentenunion an der australischen University of Queensland darauf hinweisen, dass Menschen in einigen Branchen immer noch aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden. Sie starteten einen vierstündigen Cupcake-Verkauf mit angepassten Preisen.

Alternatives Preismodell

Eines der Küchlein sollte maximal einen Dollar kosten – ein Preis, der ausschließlich Männern vorbehalten war. Frauen, insbesondere jene, die in stark männerdominierten Bereichen tätig sind, sollten einen Rabatt erhalten.

Das Preismodell wurde im Vorfeld der Veranstaltung auch noch erweitert und berücksichtigte schließlich auch sexuelle Orientierung, Herkunft und Behinderungen. Eine dunkelhäutige Frau, die angab, im juristischen Bereich zu arbeiten, sollte etwa nur 55 Cent pro Cupcake entrichten müssen. Nachlässe gab es auch für Männer aus benachteiligten Gruppen.

Ziel war es, das Thema der Einkommensungleichheit damit zur Diskussion zu bringen. Das Konzept solcher "Equality Sales" ist dabei laut dem "Guardian" nicht neu und wird bereits seit 2003 immer wieder weltweit erprobt. Laut dem australischen Statistikamt verdienen Männer in Vollbeschäftigung durchschnittlich knapp 1.600 Dollar wöchentlich, Frauen liegen rund 300 Dollar darunter. In manchen Bereichen ist der Abstand noch deutlich größer.

"Ich will diese Feministenschlampen vergewaltigen"

Doch das Vorhaben stieß auf heftigen Widerstand. Ausgehend von einer Facebook-Gruppe namens "UQ StalkerSpace" entwickelte sich zuerst eine hitzige Diskussion darüber, ob der Einkommensunterschied überhaupt real sei. Ein Student schrieb in einem mittlerweile gelöschten Posting, dass der Cupcake-Verkauf in dieser Form selbst gegen Anti-Diskriminierungs-Gesetze verstoßen würde.

Dabei blieb es allerdings nicht. Bald darauf fand sich auf der Facebookseite der Student Union ein vorwiegend männlicher Mob ein, der seinem Ärger über die Aktion Luft machte. Dokumentiert wurden unter anderem Morddrohungen und Vergewaltigungswünsche.

"Ich will diese Feministenschlampen vergewaltigen", wird etwa ein Nutzer zitiert. "Ich bin froh, dass dieser Event stattfindet, dann sind wenigstens keine hässlichen Frauen in den Clubs", schrieb ein anderer. Auch einige Bilder wurden in diesem Kontext öffentlich gepostet, wie der Guardian in einem weiteren Beitrag dokumentiert.

Keine Probleme beim Verkauf

Damit hat die Aktion eine Diskussion ausgelöst, die weit über Einkommensungleichheit hinausgeht und sich nun auch um Hasspostings dreht. Die Gegner des Equality Sales trugen ihren Zorn allerdings ausschließlich online zur Schau. Laut einer Veranstalterin sei der eigentliche Cupcake-Verlauf friktionsfrei verlaufen. Auch die meisten Männer hätten sich solidarisch gezeigt und ohne zu zögern einen Dollar für das Süßgebäck bezahlt. (gpi, 24.04.2016)

  • Heterosexuelle, weiße Männer mussten für einen Cupcake den Vollpreis von einem Dollar bezahlen – alle anderen erhielten unterschiedliche Nachlässe.

    Heterosexuelle, weiße Männer mussten für einen Cupcake den Vollpreis von einem Dollar bezahlen – alle anderen erhielten unterschiedliche Nachlässe.

  • Auch Memes, die Gewalt gegen Frauen gut hießen, wurden öffentlich gepostet.
    foto: facebook (via guardian)

    Auch Memes, die Gewalt gegen Frauen gut hießen, wurden öffentlich gepostet.

Share if you care.