Flüchtlingsbetreuung: Steyrer Initiative im Clinch mit Kirche

8. April 2016, 14:51
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Streit über geplantes Projekt in einer Pfarr-Liegenschaft: "Man hat uns einfach abblitzen lassen"

Linz – Das Haus mit der Adresse Wieserfeldplatz 17 zählt ganz augenscheinlich nicht zu den architektonischen Glanzlichtern der Steyrer Innenstadt. Ein deutlich überdimensionierter Zweckbau, dem der Zahn der Zeit ordentlich zugesetzt hat. Einziger Blickfang ist wohl ein Putzrelief der Heiligen Notburga – immerhin Patronin der Dienstmägde, der Arbeitsruhe und des Feierabends. Doch von einer gemütlichen Feierabendstimmung ist man derzeit weit entfernt: Rund um das marode "Notburgahaus" hat sich ein heftiger Disput zwischen einer lokalen Flüchtlingsinitiative und der örtlichen Pfarre entfacht.

Soziale Hausgeschichte

Die Geschichte des Hauses war stets von einem sozialen Leitbild geprägt. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war das "Notburgahaus" eine Unterkunft für Hausgehilfinnen, ab den Sechzigjahren ein Sozialwohnheim. Die langjährige Obfrau des Vereins, heute eine agile 86-Jährige, wohnt noch in dem Haus – hat das Gebäude aber bereits vor Jahren der nahen Pfarre St. Michael geschenkt. Als Kurzeitunterbringung für sozialschwache Menschen wird es weiter genutzt, ein Großteil der 30 Zimmer soll aber leer stehen.

Die im Herbst 2015 gegründete Flüchtlingsinitiative Steyrdorf würde nun gerne an die soziale Hausgeschichte anknüpfen und hat mit einem Wohn- und Betreuungskonzept für eine Flüchtingsunterkunft für sechs Asylberechtigte in Händen an der Kirchentür angeklopft. Es ist der Beginn einer Geschichte, in der Hirte und Herde einfach nicht zusammenfinden.

Vonseiten der Flüchtlingsinitiative fühlt man sich von der Kirche nicht ernstgenommen. Die Gespräche seien von Beginn an "zäh" verlaufen und man sei stets an "nicht nachvollziehbare" Grenzen gestoßen. "Zu einem Treffen mit dem Pfarrgemeinderat ist überhaupt nur eine Person gekommen", ärgert sich Georg Neuhauser von der Flüchtlingsinitiative im Standard-Gespräch. "Trotz unseres Entgegenkommens – wir wollen ja einen Teil der Sanierungskosten und auch die Begleitung der Menschen übernehmen – hat man uns einfach abblitzen lassen. So geht man mit Menschen nicht um, das ist einfach nicht in Ordnung."

Schulden-Frage

Innerhalb der Intiative vermutet man jetzt eine finanzielle Notlage im Opferstock. "Die Pfarre ist verschuldet, das Notburgahaus die einzige Immobilie, die nicht mit einer Hypothek belastet ist. Man will keine Asylberechtigen, sondern lieber ein gutes Geschäft machen", glaubt Initiativen-Mitglied Ruth Pohlhammer.

Was von kirchlicher Seite entschieden zurückgewiesen wird. "Es gibt einen Vertrag mit der ehemaligen Besitzern, dass das Haus nicht verkauft werden darf. Außerdem hat die Pfarre keine Hypotheken auf ihre Liegenschaften", entgegnet Diözesan-Sprecher Michael Kraml im Standard-Gespräch. Man habe grundsätzlich auch nichts gegen ein Flüchtlingsprojekt. "Nur mit der Vorgehensweise der Initiative haben wir ein Problem. Wir waren stets gesprächsbereit. Und haben konkret den Einzug von zwei statt sechs Asylberechtigten vorgeschlagen. Dieses Angebot wurde ignoriert – und plötzlich hat man uns ein Konzept auf den Tisch geknallt. Mit dem Zusatz, wir sollen die Forderungen bis zu einer gesetzten Frist akzeptieren. Eine Dialogbereitschaft sieht wohl anders aus", kritisiert Kraml.

Darüberhinaus fürchtet man auf Kirchenseite ein soziales Ungleichgewicht im Haus: "Wie soll man denen erklären, die weiter einen Substandard vorfinden, dass es andere im Haus gibt, die deutlich komfortabler wohnen?"Mit der heiklen Angelegheit muss sich jetzt übrigens auch die Diözesanleitung beschäftigen: Die Steyrer Flüchtlingshilfe hat sich nämlich brieflich an den Linzer Bischof Manfred Scheuer gewandt. An der Antwort wird derzeit im Bischofshof noch gefeilt. Vonseiten der Flüchtlingsinitiative ist man "auf jeden Fall weiter gesprächsbereit" und hofft auf eine einvernehmliche Lösung. (Markus Rohrhofer; 08. 04. 2016)

  • Ob und wieviele Asylberechtigte künftig im "Notburgahaus" in Steyr wohnen sollen, ist noch Gegenstand durchaus harter Verhandlungen.
    foto: privat

    Ob und wieviele Asylberechtigte künftig im "Notburgahaus" in Steyr wohnen sollen, ist noch Gegenstand durchaus harter Verhandlungen.

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