Hypo Vorarlberg will Offshore-Kriterien vorlegen

8. April 2016, 10:11
4 Postings

Unverständnis für SPÖ-Wunsch nach Einberufung eines U-Ausschusses

Bregenz – Als Konsequenz der Nennung der Vorarlberger Landesbank in den Panama-Papers wird die Hypo Vorarlberg bis zum Sommer einen Kriterienkatalog für Offshore-Geschäfte vorlegen. Darin werde definiert, welche Offshore-Engagements die Bank weiter anbieten werde und welche nicht. Kundenbeziehungen, die dem nicht entsprechen, würden sukzessive aufgelöst, teilte die Bank mit.

Bereits mit dem Verkauf der Hypo-Tochter in Liechtenstein 2009 an die Schweizer Bankengruppe Valartis hatte sich die Hypo Landesbank strategisch entschlossen, aus dem Offshore-Geschäft auszusteigen, und dieses in den vergangenen Jahren kontinuierlich reduziert. Man habe sich auch damals stets an den rechtlichen Rahmen gehalten, versicherte der Hypo-Bankenvorstand wiederholt.

Künftige Strategie

Die aktuelle Diskussion nimmt die Bank, die zu rund 76 Prozent im Besitz des Landes Vorarlberg steht, zum Anlass, im Vorstand und dem Aufsichtsrat eine Strategie für das zukünftige Offshore-Geschäft zu erarbeiten. Im Fokus stehe "der Exit aus klassischen Offshore-Geschäften mit verschachtelten Briefkastenfirmen, auch wenn diese gesetzlich zulässig sind", teilte der Vorstand mit, stellte aber auch klar, dass man sich nicht ganz aus dem Geschäftszweig verabschieden werde.

"Die Hypo Vorarlberg als führende Unternehmerbank will auch in Zukunft heimische Exportbetriebe in ausländische Märkte begleiten", so die Bank. Schließlich fielen auch Geschäftsbeziehungen in das benachbarte Liechtenstein in die Kategorie "Offshore" und umfassten demnach etwa auch herkömmliche Bankkonten liechtensteinischer Firmen und Privatpersonen. Tatsächlich verfügen zahlreiche Liechtensteiner Handwerker für die Abwicklung ihrer Geschäfte in Vorarlberg über ein Konto bei der Hypo Landesbank. Nach Abzug dieser Unternehmen blieben noch "150 bis 160 Offshore-Kunden übrig", hatte der scheidende Hypo-Vorstandschef Michael Grahammer kurz nach Bekanntwerden der Panama-Papers vorgerechnet.

Völliges Unverständnis zeigten die Bankverantwortlichen gegenüber der Ankündigung der SPÖ Vorarlberg, einen Untersuchungsausschuss in dieser Causa einzuberufen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass vor dem Vorliegen der Prüfberichte von Finanzmarktaufsicht und der vom Land beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers ein U-Ausschuss eingerichtet werde, der einen immensen Aufwand verursache. Einem öffentlichen Unternehmen und "damit letzten Endes der Vorarlberger Bevölkerung" werde Schaden zugefügt, um "politisches Kleingeld" herauszuschlagen. (APA, 8.4.2016)

Share if you care.