Huawei, Xiaomi und Co: Vom Apple-Verfolger zum Selbermacher

8. April 2016, 10:05
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Auf dem Weg zur globalen Smartphone-Größe setzen chinesische Konzerne zunehmend auf Differenzierung

Der Konflikt ist beileibe nicht neu und hat auch schon zu dem einen oder anderen Gerichtsverfahren geführt. Das Design von Apples iPhones ist nicht nur bei den Kunden des kalifornischen IT-Konzerns beliebt, sondern auch in der Android-Welt. Andere Hersteller würden die eigenen Produkte imitieren, hörte man schon öfter aus Cupertino.

Tatsächlich ist auch schon das eine oder andere Gerät auf dem Markt gelandet, das auffallende Gemeinsamkeiten mit dem gerade aktuellen iPhone aufwies. In China sind seit Jahren kleinere Hersteller tätig, die sich teils viel Mühe geben, die Smartphones zu klonen und auch Android den Look des iOS-Betriebssystems zu geben.

Doch es tut sich etwas. Unbekanntere Produzenten, vor allem aber Größen wie Huawei oder Xiaomi setzen auch in puncto Design zunehmend auf Eigenständigkeit. Und nicht nur das, auch in technologischer Hinsicht hat ein Differenzierungswettlauf begonnen, schreibt Wired.

foto: derstandard.at/sulzbacher

Neue Ideen, eigenständiges Design

Ein Beispiel dafür ist Huaweis neues Flaggschiff P9. Die eine oder andere Ähnlichkeit zum iPhone (vorherige Modelle orientierten sich wiederum an Sonys Xperia Z-Reihe) mag bei dem Gerät zwar zu erkennen sein, mit der Dual-Kamera hat man jedoch ein echtes Unterscheidungsmerkmal geschaffen. Sie verwendet einen Farb-Sensor und einen Schwarzweiß-Sensor. Letzterer soll dafür sorgen, dass auf Fotos mehr feine Details erhalten bleiben. Die Objektive liefert Leica, eine alte Größe im Kamera-Geschäft.

Ob das Konzept aufgeht, ist abzuwarten. Es zeigt aber auf, dass Huawei gewillt ist, eigene Innovationen voran zu treiben. Ähnlich wie Apple produziert der chinesische Riese auch seine eigenen Chips über die Tochterfirma HiSilicon. 2015 hat Huawei im Bereich Forschung und Entwicklung eine Milliarde Dollar mehr ausgegeben als Apple.

foto: xiaomi

Xiaomis Ambitionen

Auch bei Xiaomis Mi-5 gibt es eine Fülle von Features. Bei der Vorstellung besonders auffällig war dabei die optische Bildstabilisierung, die die Systeme der Konkurrenz alt aussehen lassen soll. Und auch hier sieht man ein Smartphone, das auch in puncto Ästhetik nicht darauf ausgelegt wurde, dem iPhone nachzueifern. Eine Qualität, die Kritiker längst nicht jedem Sprössling der Mi-Reihe zugestehen.

Was die Herstellung eigener Chips angeht scheint auch Xiaomi langfristige Pläne zu hegen. Schon vor einem Jahr hat der Konzern ein größeres Investment in den Chipproduzenten Leadcore getätigt. Kurz davor kam mit dem Redmi 2A auch das erste Smartphone auf den Markt, das auf einer Plattform dieses Herstellers aufbaute.

Es sind aber nicht nur chinesische Firmen, die auf mehr Eigenständigkeit setzen. Auch Apples wohl größter Konkurrent, Samsung, bemüht sich um Differenzierung. Mit dem Galaxy S6 wurde eine neue Designsprache eingeführt, die sich gut von den Mitbewerbern abhebt. Eigene Chips (Exynos) baut das koreanische Unternehmen ohnehin schon lange.

foto: samsung

Neue Konkurrenz

Dennoch sollte Apple seine Aufmerksamkeit auf China richten, nicht nur weil man auf dem dortigen Markt selber mitmischt. Xiaomi und Huawei haben sich aufgemacht, gobal erfolgreiche Marken zu werden und liefern dafür gut verarbeitete, schnelle Premium-Smartphones, die preislich deutlich unter den iPhones liegen.

Momentan ist die Vorherrschaft des iPhones – weltweit das meistverkaufteste Handymodell – auch aufgrund der eigenen, loyalen Kundschaft nicht bedroht. Unterschätzen sollte man in Cupertino die erwachende Konkurrenz allerdings nicht. (gpi, 08.04.2016)

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