Demenz: Enorme Belastung für pflegende Angehörige

7. April 2016, 15:20
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Interessensgemeinschaft fordert mehr Entlastungsangebote für pflegende Angehörige

Wien – Von den 452.800 Pflegegeldbeziehern, die in Österreich leben, werden 84 Prozent zuhause betreut. Die Interessensgemeinschaft pflegender Angehöriger (IG-Pflege) hat es sich zur Aufgabe gemacht, jene Personen nach außen hin zu vertreten, die sich den Erkrankten privat annehmen. Die sechste Jahreskonferenz, die am Donnerstag in Wien ihren Auftakt fand, wurde nun dem Thema "Pflege und Demenz" gewidmet.

"Menschen als pflegende Angehörige stehen unter enormem Belastungsdruck" betonte Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der IG-Pflege am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Besonders schwierig sei die Situation bei demenziellen Erkrankungen für Pflegende, weil der Erkrankte nicht nur die Fähigkeit einbüßt, seinen Alltag unabhängig zu bestreiten, sondern nach und nach seine Persönlichkeit verliert.

"Den Menschen im Verborgenen zu helfen" und Entlastungsangebote für Angehörige zu schaffen, sei deswegen unabdingbar. Auch, weil die pflegenden Angehörigen "die stärkste Säule des Pflegesystems" sind, wie Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes betonte. Zudem fallen durch die private Pflege weit weniger Kosten an als bei einer Betreuung im Pflegeheim.

Demenzkranke sind Teil der Gesellschaft

Norbert Partl, Leiter der Angehörigenarbeit im Pflegebereich der Caritas, Wien hält es hinsichtlich Hilfestellung für Betroffene vor allem für wichtig, dass die Angebote niederschwellig, also mit wenig finanziellem und bürokratischen Aufwand verbunden sind.

Die Caritas hat einen ersten Schritt getan und vor ein eineinhalb Jahren das Projekt "Treffpunkt Zeitreise" ins Leben gerufen. Im Zuge dessen werden Nachmittagsprogramme für Menschen mit Demenz und deren Angehörige organisiert. Ziel dieser Angebote ist es, psychosoziale Hilfe für beide Personengruppen anzubieten und gleichzeitig einen Rahmen zu schaffen, in dem die Krankheit "keine große Sache" ist. Gerade im öffentlichen Bereich sei es mit dementen Personen nämlich oft schwierig, weil deren krankheitsbedingtes Verhalten oft missgedeutet wird, wie Hanna Fiedler, selbst pflegende Angehörige, betont.

Wichtig sei deswegen vor allem die Gesellschaft für die Thematik zu sensibilisieren, so Kerschbaum, denn erkrankten Personen soll das Gefühl gegeben werden, dass auch sie dazugehören und dass sie "einen Stellenwert in der Gesellschaft" haben. (APA, 7.4.2016)

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