Neue Schneckenfresser-Schildkröte in Thailand entdeckt

7. April 2016, 13:42
6 Postings

Die Gattung Malayemys umfasst nicht wie bislang angenommen zwei, sondern drei Arten

Bonn/Dresden – Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn und des Senckenberg Instituts Dresden hat eine neue Schildkrötenart aus dem Nordosten Thailands entdeckt. Unter dem Namen Malayemys khoratensis wurde die Spezies nun im Fachblatt "PLoS One" beschrieben. Sie gehört zur Gattung der Schneckenfresser-Schildkröten, die ihren Namen ihrer Vorliebe für Wasserschnecken verdankt.

Mit Hilfe genetischer und morphologischer Analysen konnten die Forscher nachweisen, dass sich hinter der Gattung Malayemys nicht wie bislang angenommen zwei, sondern drei Arten verbergen. Dafür untersuchten sie über 100 Exemplare des südostasiatischen Festlands morphologisch und genetisch. Eigentliches Ziel der Studie war die Überprüfung, ob die beiden bereits bekannten Arten tatsächlich verschieden sind – denn manchmal erweisen sich bei genetischen Untersuchungen vermeintlich unterschiedliche Arten doch als identisch.

Gefährdete Bestände

Für Flora Ihlow vom ZFMK war die Überraschung deshalb "umso größer, als die genetischen Daten auf eine dritte, bisher komplett unbekannte Art hinwiesen". Weitere Untersuchungen zeigten, dass die neue Art deutliche morphologische Unterschiede aufweist: So hat jede der drei Arten ihre eigene, ganz spezielle Gesichtszeichnung. "Integrative Ansätze, die Morphologie und modernste molekulargenetische Techniken kombinieren, sind mittlerweile unerlässlich, um neue Arten zu entdecken", sagte Senckenberg-Forscher Uwe Fritz.

Die Gattung Malayemys umfasst nunmehr drei Arten relativ kleiner Schildkröten mit maximal 22 cm Panzerlänge, die flache Gewässer im gesamten südostasiatischen Tiefland bewohnen und dabei regelrechte Kulturfolger zu sein scheinen. "Sogar in Reisfeldern, Tempelteichen und Kanalsystemen mitten in Bangkok oder Siem Reap kann man mit etwas Glück Schildkröten der Gattung Malayemys beobachten", so Ihlow. "Alle drei Arten werden in Thailand, Kambodscha und Laos als Nahrungsmittel sowie für religiöse Rituale gefangen und gehandelt, wodurch die Bestände inzwischen gefährdet sind."

Trotzdem genießen die beiden bekannten Arten bislang nur einen geringen Schutzstatus. "Die Neubeschreibung wird Auswirkungen auf den Schutzstatus haben, denn dadurch werden die Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten kleiner und der Schutzstaus muss neu erfasst und evaluiert werden", berichtere die Forscherin. Das Verbreitungsgebiet der neu beschriebenen Art Malayemys khoratensis scheint auf das namensgebende Khorat Plateau im Nordosten Thailands beschränkt zu sein. (red, 7.4.2016)

  • Männliches Exemplar der neu entdeckten Art Malayemys khoratensis.
    foto: f. ihlow

    Männliches Exemplar der neu entdeckten Art Malayemys khoratensis.

  • Bereits bekannt: Malayemys subtrijuga...
    foto: f. ihlow

    Bereits bekannt: Malayemys subtrijuga...

  • ... und Malayemys macrocephala.
    foto: f. ihlow

    ... und Malayemys macrocephala.

Share if you care.