Kongo: Opposition lenkt nach umstrittener Wahl ein

7. April 2016, 11:28
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Zweitplatzierter will nach blutigen Protesten nun doch Ergebnis anerkennen, auch wenn er dies als "fragwürdig" erachtet

Brazzaville – Nach gewaltsamen Protesten gegen das Wahlergebnis in der Republik Kongo will der unterlegene Oppositionskandidat seinen Widerstand aufgeben: Der zweitplatzierte Präsidentschaftsbewerber Guy-Brice Parfait Kolelas rief seine Anhänger am Mittwoch dazu auf, den neuerlichen Sieg des langjährigen Staatschefs Denis Sassou Nguesso anzuerkennen, auch wenn das offizielle Wahlergebnis "fragwürdig" sei.

In der Vorwoche hatten Kolelas und weitere unterlegene Präsidentschaftskandidaten noch zu Protesten gegen Sassou Nguesso aufgerufen, der nach amtlichen Angaben mit 60 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden war.

Zusammenstöße in Brazzaville

Am Montag dann kam es in einigen Vierteln der Hauptstadt Brazzaville, die als Hochburgen der Opposition gelten, zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Dabei wurden fünf Menschen getötet, unter ihnen drei Sicherheitsbeamte. Die Regierung machte dafür die Opposition verantwortlich; diese wies die Anschuldigungen zurück. Laut Regierung wurden bei den Kämpfen seit der Wahl insgesamt 17 Menschen getötet.

Oppositionskandidat Kolelas forderte den Präsidenten zu Zurückhaltung auf. "Ich rufe Präsident Sassou Nguesso, den erklärten Wahlsieger, dazu auf, im Sieg bescheiden zu bleiben, weil diese Wahl von allen möglichen Unregelmäßigkeiten überschattet wurden", sagte er in Brazzaville.

Umstrittenes Referendum

Die neue Kandidatur von Staatschef Sassou Nguesso war erst durch ein umstrittenes Referendum ermöglicht worden. Der 72-Jährige war im Jahr 1979 an die Macht gelangt und regiert das zentralafrikanische Land seitdem mit einer Pause von fünf Jahren in den 90er Jahren. Seine Wiederwahl wurde auch in den Jahren 2002 und 2009 jeweils von Manipulationsvorwürfen der Opposition überschattet.

Das von der Opposition boykottierte Referendum über eine Verfassungsänderung Ende Oktober machte Sassou Nguesso den Weg für die neue Kandidatur frei. Das bis dahin auf 70 Jahre festgesetzte Höchstalter eines Staatschefs sowie die Begrenzung auf zwei Amtszeiten wurden aufgehoben. (APA, 7.4.2016)

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