Interview mit Sohn von Mafia-Boss Riina bringt RAI viel Kritik

7. April 2016, 10:06
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Familien von Opfern der Cosa Nostra empört – Anti-Mafia-Kommission lud RAI-Manager zu Gesprächen vor

Rom – Ein von Italiens öffentlich-rechtlicher TV-Anstalt RAI gesendetes Interview mit Salvo Riina, Sohn der langjährigen Nummer eins der sizilianischen Cosa Nostra, Salvatore Riina, sorgt für hitzige Diskussionen in Italien. Das Interview anlässlich des Erscheinen eines Buchs von Riina Junior wurde am Mittwochabend im Rahmen der Polit-Show "Porta a Porta" gesendet.

"Riina – Ein Familienleben" heißt das Buch, das am Mittwoch in Italien in den Handel kam. Darin erzählt der dritte Sohn des Mafia-Bosses über sein Leben mit dem Kriminellen. "Ich hatte eine glückliche Kindheit. Ich liebe meinen Vater und es ist nicht meine Aufgabe ihn zu verurteilen", sagte der 38-Jährige. Er respektiere die Mafia-Opfer, doch er könne nicht mit der Verhaftung seines Vaters im Jahr 1993 nach 20-jähriger Flucht einverstanden sein. "Diese Festnahme hat mich meines Vaters beraubt", berichtete Riina Junior.

Im Interview erzählte Salvo Riina ausführlich über den 23. Mai 1992, den Tag des Anschlags auf den Mafia-Jäger Giovanni Falcone, für den sein Vater verurteilt wurde. "Am Tag des Attentats sah mein Vater Nachrichten im Fernsehen. Wir waren alle erschüttert, doch ich hatte niemals den Verdacht, dass er hinter diesem Anschlag stecken könnte", berichtete Salvo Riina, der sich selbst wegen Mafia-Zugehörigkeit vor Gericht verantworten hatte müssen.

Appelle aus dem Parlament

Die parlamentarische Anti-Mafia-Kommission berief die RAI-Präsidentin Monica Maggioni zu einem Gespräch ein. Maggioni hatte das Interview trotz Appellen aus dem Parlament senden lassen. Hochrangige Mitglieder aus dem Parlament und der Justiz hatten die RAI in den vergangenen Tagen aufgefordert, das Gespräch mit Riina nicht zu senden. Man solle Kindern von Kriminellen kein Sprachrohr geben.

Der Verband von Angehörigen der Mafia-Opfer wies darauf hin, dass der Boss Riina hunderte Unschuldige getötet habe und kritisierte den Beschluss des Starmoderators der RAI, Bruno Vespa, das Interview mit seinem Sohn zu senden. Der Sohn versuche der Öffentlichkeit, ein menschliches Bild eines der gefährlichsten Kriminellen in der Geschichte Italiens zu vermitteln. Vespa erwiderte, es entspreche seinen Pflichten als Journalist, den Sohn des Mafia-Bosses zu interviewen.

Salvatore Riina soll die in den 1990er-Jahren verübten Morde an den Antimafia-Richtern Giovanni Falcone und Paolo Borsellino in Auftrag gegeben haben. Zudem wird Riina für Bombenanschläge in Rom, Florenz und Mailand im Jahr 1993 verantwortlich gemacht. Insgesamt sollen 150 Morde auf sein Konto gehen. Der 85-Jährige wurde deshalb 20-fach zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach zwei Jahrzehnten auf der Flucht wurde er 1993 in Palermo gefasst. (APA, 7.4.2016)

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