Die Vorwahl in Wisconsin könnte die Wende bedeuten

Analyse6. April 2016, 17:49
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Bei den Republikanern verdaute Donald Trump seine Niederlage gegen Ted Cruz schwer – Der Texaner spürt Aufwind

War das jetzt die Wende im Wahlkampf? Ted Cruz und Bernie Sanders sehen es wohl so. Sowohl der erzkonservative Senator aus dem südlichen US-Bundesstaat Texas als auch sein progressiver Kollege aus dem nordöstlichen Vermont interpretieren ihre Vorwahlerfolge in Wisconsin als Schlüsselmomente einer dramatischen Aufholjagd. Nur: Es muss schon noch ein kleines, nein: ein größeres Wunder geschehen, wollen sie Donald Trump bei den Republikanern beziehungsweise Hillary Clinton bei den Demokraten noch von der Spitze verdrängen.

Als Cruz seinen Sieg feierte, sprach er euphorisch von einem "Signal zum Sammeln", dem seine Partei gewiss folgen werde. Er sei mehr und mehr davon überzeugt, auf dem Wahlkonvent der Republikaner im Juli die Kandidatur fürs Weiße Haus gewinnen zu können.

Tatsächlich holte Cruz in Wisconsin 48 Prozent der Stimmen, womit er Trump (35 Prozent) und John Kasich (14 Prozent) auf die Plätze verwies. Tatsächlich sieht es so aus, als habe es Risse bekommen: das Bild vom Teflon-Trump, an dem scheinbar alles abperlt, auch dann, wenn er seine Gegner aufs Übelste beschimpft und dennoch niemals den Kürzeren zieht.

In den jüngsten Debatten hat der Populist offenbar Schaden genommen: ein erstes Mal, als er für Strafen im Falle von Abtreibungen plädierte; und ein zweites Mal, als er Japan und Südkorea die Entwicklung eigener Kernwaffen nahelegte, statt sich auf den atomaren Schutzschirm der USA zu verlassen.

Dass Trumps Höhenflug unterbrochen ist, macht allein schon die Optik der Wahlnacht deutlich: Normalerweise hält der Magnat in Wahlnächten Pressekonferenzen ab, zumeist in seinem exklusiven Club Mar-a-Lago, wo er sich vor einer Galerie von Sternenbannern inszeniert, als residiere er bereits im Oval Office. Diesmal begnügte er sich damit, sein Team ein gallebitteres Statement herausgeben zu lassen. "Ted Cruz ist schlimmer als eine Marionette. Er ist ein trojanisches Pferd, das von den Parteibossen benutzt wird, um Mister Trump die Nominierung zu stehlen."

"Aufstand der Alarmierten"

Allerdings: Wisconsin war von vornherein schwieriges Terrain für den Milliardär aus Manhattan. Zum einen stellte sich mit Gouverneur Scott Walker ein einflussreicher Lokalmatador an die Spitze der Anti-Trump-Bewegung. Zum anderen machten konservative Radiotalker im "Badger State" geschlossen Front gegen ihn.

Ob sich auf den nächsten wichtigen Stationen – in New York und Pennsylvania – das fortsetzt, was Cruz einen "Aufstand der Alarmierten" nennt, darf man bezweifeln. Zum einen dürfte es Trumps texanischer Gegenspieler, dessen Hausmacht vornehmlich aus evangelikalen Christen besteht, an der Ostküste schwerer haben als im Mittleren Westen mit seiner christlich-konservativ geprägten Basis. Zum anderen ist es mathematisch so gut wie unmöglich, dass Cruz die magische Marke erreicht: 1237 Delegiertenstimmen, die auf dem Wahlparteitag im Juli die absolute Mehrheit bedeuten.

In Wahrheit hofft die "Jeder-nur-nicht-Trump-Fraktion" auf ein Szenario, bei dem der Geschäftsmann von selbst die absolute Mehrheit verfehlt – auch wenn er wohl das Rennen als Erster beenden wird. In diesem Fall könnten ihn die raffinierten Manöver einer "Contested Convention" – also eines offenen Parteitages mit Kampfabstimmungen – womöglich noch stoppen.

Im Lager der Demokraten hat Bernie Sanders alle, die ihn bereits abschreiben wollten, eines Besseren belehrt: Nicht nur dass er das Duell gegen Hillary Clinton klar für sich entschied, von den letzten acht Vorwahlen hat der Veteran sieben gewonnen, sechs in einer Reihe, und seine Kasse ist so prall gefüllt, dass er keinen Gedanken ans Aufgeben verschwendet muss. Obwohl er sich vor allem auf Kleinspender stützt, hat Sanders mehr Geld eingenommen als die frühere Außenministerin, deren Nähe zu "Big Money" er zum Thema macht. In New York, wo am 19. April gewählt wird, hofft er jenen Paukenschlag zu schaffen, der die Favoritin noch zittern lassen soll.

Dass er Clintons Vorsprung noch wettmachen kann, glauben allerdings nur kühnste Sanders-Optimisten. Bei den Demokraten werden Vorwahlen nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit entschieden, im Unterschied zu den Republikanern gibt es keine Einzige, die den Sieger alles abräumen lassen, während der Zweitplatzierte leer ausgeht. Clinton also wird weiter Stimmen sammeln, sollten sich die Niederlagen auch häufen. (Frank Herrmann aus Washington, 6.4.2016)

  • Diesmal konnten Ted Cruz und seine Frau Heidi auf der Bühne das Lachen präsentieren, das sie zu Hause schon oft geübt hatten.
    foto: reuters/jim young

    Diesmal konnten Ted Cruz und seine Frau Heidi auf der Bühne das Lachen präsentieren, das sie zu Hause schon oft geübt hatten.

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