Putin leistet sich eine eigene Elitetruppe

7. April 2016, 15:46
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Ex-Leibwächter und enger Vertrauter des russischen Präsidenten soll für Ordnung im Land sorgen

In Russland entsteht eine neuer Sicherheitsapparat: Präsident Wladimir Putin hat die Gründung der Nationalgarde beschlossen. Leiter der künftigen Elitetruppe im Kampf gegen Terror und organisierte Kriminalität wird sein Ex-Leibwächter Wiktor Solotow sein – der Mann also, der Putin jahrelang körperlich am nächsten stand. Interessant ist, dass Solotow zugleich als das Bindeglied im Kreml zu Tschetschenenoberhaupt Ramsan Kadyrow gilt, den Oppositionsführer Ilja Jaschin als "Bedrohung der nationalen Sicherheit" Russlands bezeichnet.

Wie der russische Präsident selbst stammt auch Solotow aus den Reihen des Geheimdienstes KGB. Der heute 62-Jährige arbeitete seit den 1970er Jahren im Personenschutz hochrangiger Funktionäre. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fand er in St. Petersburg einen Job als Leibwächter von Bürgermeister Anatoli Sobtschak und dessen Stellvertreter: Wladimir Putin.

Als Letzterer dann in Moskau Karriere machte, nahm er Solotow in den Kreml mit. Als "Schatten" Putins bezeichnen ihn einige Medien daher auch. Von 2000 bis 2013 leitete er den Sicherheitsdienst Putins. Solotow war stets mehr als ein Präsidentenleibwächter. Er war der persönliche Bodyguard Putins.

Und er hat – laut der kremlkritischen Nowaja Gaseta – vom Vertrauen Putins durchaus profitiert. Solotows Sohn Roman verbindet erfolgreich einen Leitungsposten in einem staatlichen Personen- und Objektschutzunternehmen mit der Tätigkeit als millionenschwerer Bauunternehmer.

Seit 2014 leitete Solotow die bewaffneten Truppen des Innenministeriums, auf deren Basis nun die Nationalgarde aufgebaut werden soll. Mit einer Stärke von bis zu 400.000 Mann besitzt sie durchaus Einflusspotential. Zu ihren Aufgaben zählt nicht nur die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit, sondern auch mögliche Kampfeinsätze im Innern. So wurden Innenministeriumstruppen in beiden Tschetschenienkriegen eingesetzt.

Weiter Kompetenzbereich

Für Aufsehen sorgte die Meldung, dass Beamte der Nationalgarde im Notfall ohne Vorwarnung schießen dürfen. Zur Auflösung illegaler Demos dürfen die Beamten darüber hinaus physische Gewalt anwenden. Politische Beobachter werten die Gründung des Organs als zusätzliche Absicherung des Kremls vor den Parlamentswahlen im Herbst. Vor fünf Jahren, nach der Duma-Wahl 2011, kam es zu massiven Protesten. Die Opposition sprach von grober Wahlfälschung, nachdem die Kremlpartei Einiges Russland sich nur knapp die Mehrheit der Stimmen sichern konnte. (André Ballin, 7.4.2016)

  • Macht Karriere: Putins Ex-Leibwächter Wiktor Solotow.
    foto: imago

    Macht Karriere: Putins Ex-Leibwächter Wiktor Solotow.

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