Österreicher fühlen sich weniger gesund

7. April 2016, 07:02
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Das körperliche Wohlbefinden ist von der Bildung abhängig, zeigen zwei aktuelle Erhebungen

Wien – Knapp drei Viertel der EU-Bürger (73,6 Prozent) im Alter zwischen 25 und 64 Jahren schätzen ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut ein, knapp 20 Prozent als mittelmäßig und etwa mehr als sechs Prozent als schlecht oder sehr schlecht. Am wohlsten fühlen sich laut Eurostat die Griechen und Iren, während die Österreicher mit 73,1 Prozent knapp unter dem EU-Durchschnitt liegen.

Die anlässlich des Weltgesundheitstages veröffentlichten Zahlen zeigen ein deutliches Gefälle zwischen Bildungsgrad und körperlichem Wohlbefinden – unabhängig vom Alter. Während nur knapp über 60 Prozent der EU-Bevölkerung mit niedriger formaler Bildung ihren gesundheitlichen Zustand als sehr gut oder gut einschätzten, liegt dieser Anteil bei Personen mit tertiärem Bildungsabschluss bei 85 Prozent. Für Österreich betragen die Prozentsätze 51,7 bzw. 84,7. Das Gefälle zwischen hohem und niedrigem Bildungsstand ist in Polen am größten, in Bulgarien am geringsten.

Am besten fühlen sich die Griechen (84,6 Prozent), Iren (84,2 Prozent) und die Schweden (82,9 Prozent). Deutlich schlechter wird die physische Befindlichkeit in Litauen, Lettland und Portugal eingeschätzt.

Keine gesundheitlichen Probleme: Anteil halbiert

Eine weitere Untersuchung zeigte: Nur acht Prozent der Österreicher fühlen sich frei von körperlichen und psychischen Problemen, 92 Prozent klagen zumindest über gelegentliche Wehwehchen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Linzer Market-Instituts. So fühlen sich neun Prozent von Burnout oder ähnlichen Zuständen betroffen. Als Hauptursache seelischer Leiden gilt Mobbing.

Für die "Gesundheitsstudie 2016" wurden im März 1.004 Personen, die über 16 Jahre alt sind, online interviewt. Frauen und Männer klagen demnach annähernd gleich stark über Beschwerden. Jüngere und besser Gebildete fühlen sich deutlich gesünder als Ältere und Leute ohne Matura. Teilweise wurden die Zahlen mit früheren Jahren verglichen, wobei sich eine Verschlechterung zeigte.

So hatten 2013 noch 14 Prozent angegeben, überhaupt keine gesundheitlichen Probleme zu haben. Der Anteil dieser Menschen hat sich seither fast halbiert. Umgekehrt haben die Gesundheitsprobleme offenbar zugenommen: Klagten 2013 20 Prozent über körperliche oder psychische Beschwerden, waren es heuer 27 Prozent.

Rückenschmerzen, Mobbing und Burnout

Häufigster Grund zur Besorgnis sind Rücken- bzw. Wirbelsäulenprobleme. Unter diesen leiden 47 Prozent all jener Befragten, die zumindest ab und zu Beschwerden haben. Ihre Neigung zu Übergewicht macht 41 Prozent zu schaffen, der Bewegungsapparat plagt 38 Prozent. Allergien (18 Prozent), Verdauungsprobleme (17 Prozent) oder Migräne (elf Prozent) liegen im Mittelfeld. Neun Prozent der Testpersonen gaben an, unter chronischen Schmerzen zu leiden.

Erstmals hat market heuer auch psychische Leiden abgetestet: Von jenen, die zumindest gelegentlich Probleme verspüren, klagten die meisten über Energielosigkeit (29 Prozent) und Schlafstörungen (27 Prozent). Von Burnout oder ähnliche Zuständen sind eigenen Angaben zufolge neun Prozent betroffen.

Als stärkste Belastung für die psychische Gesundheit machten die Befragten Mobbing am Arbeitsplatz (78 Prozent), Arbeitslosigkeit (76 Prozent) oder finanzielle bzw. Ehe-Probleme (je 77 Prozent) aus. Zeitdruck sehen 69 Prozent als Quelle seelischer Leiden. 31 Prozent halten die unsicheren politischen Verhältnisse für einen Faktor. Das Fazit der Meinungsforscher:" Die High-Speed-Gesellschaft steht offenkundig unter massivem Druck, der erhebliche Gesundheitsschäden auslöst." (APA, 7.4.2016)

  • Einschätzung der eigenen Gesundheit als "sehr gut" bzw. "gut" im EU-Vergleich.
    foto: apa

    Einschätzung der eigenen Gesundheit als "sehr gut" bzw. "gut" im EU-Vergleich.

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