Diabetiker haben ein 36 Prozent höheres Knochenbruchrisiko

6. April 2016, 12:16
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Diabetes wirkt sich negativ auf die Knochen von Betroffenen aus, ergab eine IHS Health-Studie. Betroffen sind vor allem Oberarm, Schulter und Hüfte

Rund 600.000 Menschen leiden in Österreich an Diabetes mellitus. Alle 50 Minuten stirbt ein Mensch an den Folgen, und 62 Prozent aller Amputationen gehen auf diese Erkrankung zurück. Tendenz steigend. Damit liegt Österreich im (schlechten) internationalen Trend. Das Marktforschungsunternehmen IMS Health zeigt nun mittels einer Studie auf, dass Diabetiker auch ein 36 Prozent höheres Knochenbruchrisiko haben.

Diabetes kann zu erhöhtem Blutzuckerspiegel und in weiterer Folge zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche oder Netzhautschäden führen. Das ist bekannt. Ältere Studien haben zudem nachgewiesen, dass die Volkskrankheit auch negative Auswirkungen auf die Knochen der Patienten haben kann. Forscher von IMS Health konnten nun mithilfe einer Versorgungsforschungs-Studie belegen, dass unter Typ-2-Diabetes-Patienten überproportional viele Knochenbrüche auftreten.

Für die Studie untersuchte IMS Health in Kooperation mit dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), inwiefern neu diagnostizierte Typ-2-Diabetes-Patienten unter Frakturen leiden. Dazu zogen die Forscher anonymisierte longitudinale Daten von deutschen Hausarztpraxen heran. Sie analysierten Daten von 299.104 Typ-2-Diabetes-Patienten aus 1.072 Praxen, die während des Zeitraums Januar 2000 bis Dezember 2013 eine Erstdiagnose erhielten – ausgeschlossen waren beispielsweise Patienten, die zusätzlich an Osteoporose litten oder vor der Erstdiagnose einen Herzinfarkt oder bereits eine Fraktur hatten. Mit den gleichen Auswahlkriterien wurde eine Kontrollgruppe mit 299.104 Nicht-Diabetikern gebildet.

Frakturen an oberen Extremitäten, Hüfte und Wirbelsäule

Typ-2-Diabetes-Patienten und Patienten der Kontrollgruppe waren gleich in Bezug auf Durchschnittsalter (66 Jahre), Geschlechterverhältnis (51 Prozent männlich) und Anteil an Privatversicherten (6 Prozent). Unterschiede zeigten sich bei der Betrachtung der Frakturhäufigkeit.

Die Analysen ergaben, dass zehn Jahre nach Erstdiagnose 15 Prozent der Typ-2-Diabetes-Patienten bzw. 13 Prozent der Kontrollgruppe mindestens eine Fraktur erleiden. Im multivariaten Regressionsmodell wurde Diabetes mit 36 Prozent Risikoerhöhung für Frakturen assoziiert. Am häufigsten wurden Frakturen an den oberen Extremitäten diagnostiziert, gefolgt von Hüftfrakturen. Brüche an der Wirbelsäule traten seltener auf.

"Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass neu diagnostizierte Typ-2-Diabetes-Patienten innerhalb der ersten zehn Jahre ein um 36 Prozent erhöhtes Risiko haben, sich Frakturen vor allem an Oberarm und Schulter sowie der Hüfte zuzuziehen", resümiert Erika Sander, Geschäftsführerin von IMS Health in Österreich. "Eine Kombination aus schlechter Knochenbeschaffenheit und häufigerem Fallen aufgrund von Hypoglykämie und Komorbiditäten könnte der Grund sein – aber diese These bedarf weiterer Untersuchungen." (red, 6.4.2016)

  • Besonders hoch ist die Gefahr für Typ-2-Diabetes-Patienten, sich innerhalb der ersten zehn Jahre Frakturen an Oberarm, Schulter sowie der Hüfte zuzuziehen.
    foto: wikipedia/haikz/(CC-Lizenz)

    Besonders hoch ist die Gefahr für Typ-2-Diabetes-Patienten, sich innerhalb der ersten zehn Jahre Frakturen an Oberarm, Schulter sowie der Hüfte zuzuziehen.

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