Transitquartiere für Flüchtlinge derzeit massiv zurückgefahren

6. April 2016, 12:33
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Kein Bedarf in vielen Bundesländern – Notquartier in Vorarlberg steht bereit, wurde aber noch nie bezogen – noch 25 Unterkünfte in Wien in Betrieb

Wien/Salzburg/Freilassing – Transitquartiere für durchreisende Flüchtlinge werden derzeit nicht gebraucht. Die entsprechenden Liegenschaften in den Bundesländern sind überwiegend stillgelegt worden, zeigte ein Rundruf der Austria Presse Agentur.

Weil der Flüchtlingsstrom nach Deutschland zum Erliegen gekommen ist, gibt es derzeit in Salzburg keine Notquartiere mehr. Die zentrale Notunterkunft für Transitflüchtlinge im Salzburger Stadtteil Liefering in der ehemaligen Asfinag-Autobahnmeisterei wurde am 21. März ruhend gestellt, auch die Freiwilligen Helfer sind abgezogen. Das Notquartier kann im Fall einer Zunahme wieder aktiviert werden.

Am Höhepunkt der Flüchtlingswelle im vergangenen Herbst hat es in Salzburg drei Notunterkünfte gegeben. Die zu hunderten ankommenden Flüchtlinge wurden in der Tiefgarage des Salzburger Hauptbahnhofes, in der alten Autobahnmeisterei und beim alten Zollamtsgebäude an der Grenze von Salzburg zu Freilassing (Bayern) untergebracht. Vereinzelt verbrachten bis zu 3.000 Menschen die Nacht in den Camps.

Drei Wochen keine Flüchtlinge mehr

Anfang November wurde die Tiefgarage am Hauptbahnhof geschlossen, seit 18. Dezember ist der Wartebereich beim Zollamtsgebäude nicht mehr in Betrieb. Im März kamen kaum noch Transitflüchtlinge in Salzburg an. In den vergangenen drei Wochen haben die Einsatzorganisationen keine Transitflüchtlinge mehr verzeichnet.

Nach Angaben eines Sprechers von Salzburgs Integrations-Landesrätin Martina Berthold (Grüne) befinden sich derzeit 4.890 Asylwerber in der Grundversorgung im Bundesland Salzburg, davon 539 unbegleitete Minderjährige, was im Vergleich zu den anderen österreichischen Bundesländern eine überdurchschnittliche hohe Zahl sei. Vom Land betreut werden laut dem Sprecher 4.567 Asylwerber. Von den 323 Asylwerbern, die sich in Bundesbetreuung befänden, seien 200 am Kasernengelände in Wals-Siezenheim (Flachgau) und 123 im Verteilerzentrum Kobenzl am Gaisberg in Salzburg untergebracht.

Nie bezogen worden

Vorarlberg verfügt über ein Flüchtlingsnotquartier, das allerdings bisher noch nie bezogen wurde. Es biete Platz für rund 200 Asylwerber und sei im Bedarfsfall kurzfristig beziehbar, hieß es aus dem Büro des zuständigen Landesrates, Erich Schwärzler (ÖVP), auf APA-Nachfrage. Generell setze Vorarlberg auf eine Unterbringung in kleineren, regionalen Einheiten. Derzeit sind in Österreichs westlichstem Bundesland 3.820 Flüchtlinge in 558 Quartieren untergebracht, neue kämen laufend dazu. Nur zwischen 20 und 30 Prozent dieser Unterkünfte beherbergten mehr als 20 bis 30 Menschen, hieß es. Wohnraum für Asylwerber gebe es in 83 der 96 Vorarlberger Gemeinden. Im Durchschnitt kommen wöchentlich etwa 40 weitere schutzbedürftige Menschen nach Vorarlberg.

72 Stunden Vorlaufzeit

In Kärnten besteht momentan kein Bedarf für Transitquartiere. An drei Standorten wurden zum Höhepunkt des Flüchtlingsandrangs im vergangenen Jahr insgesamt bis zu 1.500 Flüchtlinge versorgt. Mit einer Vorlaufzeit von rund 72 Stunden könnte zumindest die Dullnig-Halle in Klagenfurt, die Platz für knapp 1.000 Personen bietet, wieder in Betrieb genommen werden. Um die beiden Hallen in Villach wieder in Schuss zu bringen, brauche man aber länger, hieß es am Mittwoch von der Polizei.

Temporäre Einrichtungen

In der Bundeshauptstadt Wien sind laut Fonds Soziales Wien derzeit 25 Notquartiere für Flüchtlinge in Betrieb. Sie verfügen über eine maximale Kapazität von rund 6.000 Plätzen,. 4.200 davon seien aktuell belegt. Nachdem es sich bei den Notquartieren um temporäre Einrichtungen handelt, werden diese auch laufend geschlossen, wie betont wurde. So seien in den vergangenen Monaten etwa die Dusika-Halle, das sogenannte Blaue Haus am Westbahnhof sowie einige kleinere, von Pfarren organisierte Einrichtungen zugesperrt worden. In Oberösterreich sind die Notquartiere teils bereits zurückgefahren worden, die noch bestehenden sind leer. Laut Polizei ist das Quartier in Rohrbach nicht mehr in Verwendung. In Braunau steht zwar noch ein Zelt, es wird aber derzeit nicht gebraucht, ähnlich in Schärding, wo man jedoch, falls nötig, rasch auf die Kapazitäten des Roten Kreuzes zurückgreifen und den Betrieb wieder aufnehmen könne, so Polizeisprecher David Furtner. Das ursprünglich für rund 900 Personen ausgelegte Postverteilzentrum in Linz wurde auf 200 Plätze zurückgebaut.

Leere Holzbauten

In Kufstein in Tirol sind die Notquartiere für Transitflüchtlinge, die aus zwei Holzbauten bestehen, derzeit nicht belegt. In den Holzbauten hätten 400 Personen Platz. Traglufthallen für Flüchtlinge gibt es in Tirol derzeit zwei – in Hall sowie in Innsbruck. Erstere ist derzeit mit 209 Personen belegt, in jener in der Landeshauptstadt sind noch keine Asylwerber untergebracht, weil erst die Bauanzeige eingereicht wurde, erklärte ein Sprecher der für die Flüchtlingsunterbringung zuständigen Tiroler Sozialen Dienste (TSD). Vorerst zwei weitere Traglufthallen sollen dazukommen. Der Standort für diese Unterkünfte stehe derzeit noch nicht fest, man befinde sich "in der Prüfphase", so der Sprecher. In der Steiermark gibt es nur mehr ein einziges Notquartier, das noch Flüchtlinge aufnehmen könnte, und selbst dieses ist seit 31. März auf Stand-by-Status. Die ehemalige Euroshopping-Halle in Graz-Straßgang fasst rund 2000 Menschen, zuletzt war sie vor Weihnachten stark belegt. Die beiden anderen großen Notquartiere wie die Schwarzlhalle in Premstätten (Kapazität rund 1.000 Menschen) und die Bellaflora-Halle in Feldkirchen (Kapazität rund 800 Menschen) wurden aufgelassen. Im Burgenland gibt es keinerlei Notquartiere, jene des Bundes, die im Herbst des Vorjahres in Betrieb waren, sind allesamt geschlossen. Auch in Niederösterreich besteht derzeit kein Bedarf an Transitquartieren für Flüchtlinge. (APA, 6.4.2016)

  • Völlig überfüllt zeigte sich das Transitquartier auf dem Asfinag-Gelände in Salzburg in November. Jetzt ist es leer.
    foto: apa/barbara gindl

    Völlig überfüllt zeigte sich das Transitquartier auf dem Asfinag-Gelände in Salzburg in November. Jetzt ist es leer.

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