Lufttaxis: Uber den Wolken

6. April 2016, 14:32
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Sie gelten vornehmlich als Fortbewegungsmittel der Reichen und Berühmten. Nun sollen Privatjets günstiger werden. Gebucht wird über eine App

Wien – Ein Trip von Paris nach London, eine Frage des Champagners? Wohl kaum. Zumindest nicht das, was dem noch selbst kofferpackenden Reisenden üblicherweise als Erstes in den Sinn kommt. Doch ein Blick über den vermeintlichen finanziellen Tellerrand lohnt. Privatjet-Charterdienste und -Broker wie die britischen Victor und Private Fly, Call a Jet aus Deutschland, Luna Jets aus der Schweiz oder JetSmarter aus den USA – um nur einige zu nennen – mischen derzeit die Branche auf. Unerlässlicher Partner bei den Buchungen: spezielle Apps und Vermittlungsportale im Internet. 28 solcher Dienste gibt es derzeit weltweit.

Im Gegensatz zu klassischen Businessjet-Gesellschaften besitzen diese Dienste keine eigene Flotte, deren Unterhalt sehr teuer wäre, sondern vermitteln je nach Verfügbarkeit Flüge. Besonders im Trend sind sogenannte "Empty Legs", Leerflüge, bei denen außer der Besatzung niemand an Bord ist. Dem weniger betuchten Passagier wird ein Erste-Klasse-Service geboten. Inklusive freier Champagnerwahl.

foto: reuters/euan rocha

Konzept weckt Investoreninteresse

Vieles spricht dafür, dass eine Vereinfachung der Zusammenführung von Kunden und Flugzeugen großes Wachstumspotenzial bietet. Die Sharing-Economy, also die Ökonomie des Teilens, hat mit Uber oder Airbnb längst den Mobilitäts- und Reisemarkt erobert. Der russlandstämmige Gründer von JetSmarter, Sergey Petrossov, bezeichnet sein Unternehmen bereits als "Uber der Lüfte." Der in den USA gegründete Fahrdienstvermittler ist zwar wegen seiner Geschäftspraktiken und Preispolitik umstritten, "aber auch attraktiv, weil er nach Innovation klingt", so Bernhard Fragner, Geschäftsführer von GlobeAir, zum STANDARD. Die Linzer Charterfluggesellschaft ist einer der Partner von JetSmarter und begleitete den US-Vermittler seit seinen ersten Gehversuchen in Europa im Jahr 2013.

Mit dem Konzept Uber versuchten viele Start-ups das Interesse der Investoren zu wecken, so Fragner weiter. Im Fall von JetSmarter und seinem 27-jährigen Chef sind das unter anderem der Rapper Jay-Z, Goldman Sachs, Twitter – und nicht zuletzt die saudi-arabische Königsfamilie, die jüngst zur geplanten Expansion satte 26,1 Millionen Dollar beisteuerte.

Saftige Eintrittspreise

8.999 Dollar (rund 7.930 Euro) kostet die Mitgliedschaft bei JetSmarter im Jahr, die Einschreibgebühr noch einmal 3.000 Dollar (2.650 Euro), ein Platz in einem Leerflug dafür nichts. Und das in unbegrenzter Zahl. Die Reise könnte allerdings auf Kosten von Nerven und Privatsphäre gehen. Zum einen müsse der Passagier zeitlich etwas flexibel sein, zum anderen damit rechnen, neben einer ihm völlig unbekannten Person zu sitzen, so Fragner. "Privatjets verkaufen Diskretion und zeitliche Unabhängigkeit. Beides gibt es bei einem solchen Geschäftsmodell nicht."

JetSmarter vernetzt in seinem System 3.100 Flugzeuge und vermittelte eigenen Angaben zufolge im letzten Jahr 35.000 Passagiere. Koordiniert wird der Dienstleister unter anderem über Geschäftsstellen in Zürich, London, Moskau, Dubai, Riad und Fort Lauderdale in Florida. Seit 2015 werden auch europäische Städte wie London, Paris, Genf und Nizza angeflogen. Mit Shuttle-Flügen können Gruppen die kleinen Privatjets mieten. So könne zum Beispiel der Preis von London nach Paris in einem Viersitzer pro Person günstiger sein als ein Business-Platz mit British Airways, rechnet GlobeAir vor.

Österreicher an Bord

GlobeAir stellt mit seinen Citation Mustangs Maschinen zur Verfügung, die mit vier bis zwölf Plätzen relativ klein und wendig sind. Dadurch werden auch jene Flughäfen angeflogen, die über kurze Start- und Landebahnen verfügen und somit normalerweise nicht von großen Privatjets und großen Linienflugzeugen genutzt werden können. Nicht unbedingt ein Nachteil: Viele der kleinen Airports liegen wesentlich näher zur Zielstadt. So sind es beispielsweise vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle knapp 26 Kilometer bis in die Stadt, vom wesentlich kleineren Le Bourget nur 6,5 Kilometer. Fragner fügt hinzu: "Dann gibt es noch Airports wie Gatwick oder Stansted bei London. Die mögen keine Privatjets und verlangen Gebühren in Höhe von etwa 8000 Euro. Das rechnet sich nicht."

Ob der Flughafen nun groß oder klein ist – der Service für Privatjetkunden ist vor Ort jedenfalls stets derselbe: Der Gast schwebt quasi über einen eigen VIP-Eingang ein, hat keine Wartezeiten, nach der Passkontrolle wartet, sofern erwünscht, eine Limousine für die Fahrt zum Flugzeug. Ein Prozedere, das keine fünf Minuten dauert. Extravaganzen an Bord gebe es genug, weiß Fragner zu berichten: So charterte ein Kunde einen Solotrip für seine Katze nach Dubai, ein andermal checkte eine Jagdgesellschaft mit ihren Waffen ein.

Das ist möglich und – unter Einhaltung strikter Vorschriften – erlaubt. Streng kontrolliert wird auch Ausbildung und Auswahl der Piloten und die des Security-Personals. In Bezug auf die streng geregelten Sicherheitsmaßnahmen halte der Fahrdienstvermittler Uber einem Vergleich der Lufttaxis wohl nicht stand, so Fragner. (Sigrid Schamall, 6.4.2016)

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