Hund ins Büro mitnehmen

7. April 2016, 15:07
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Loyale Würdigung oder hundefreie Zone

foto: apa/afp / justin tallis

Pro
von Margarete Affenzeller

Das bisschen Mundgeruch, das mit einem Köterchen im Büro Einzug hält, bringt das Fass auch nicht zum Überlaufen. Echt nicht.

Es hat ja so mancher Kollege auch nicht immer frisch geputzte Zähne. Und man bedenke: Diesem muss man auf Augenhöhe begegnen!

Das Band zwischen Mensch und Tier wird seit Jahrtausenden geknüpft. Wir gehören einfach zusammen.

Die kleine Fahne, die so ein Hund mit sich herzieht, sollten wir also wirklich nicht auf die Waagschale legen, schließlich versprüht so ein Lumpi vielmehr Positives:

Er verbreitet stets gute Laune, was nicht zu unterschätzen ist, denn die Kollegenschaft ist dazu gewiss nicht acht Stunden am Stück in der Lage. Dem Hund ist sie indes keinerlei Last, er frohlockt ohne Zwang. Jeder Tag ist schön, oh ja!

Zudem stellt des Tieres Ehrlichkeit am Arbeitsplatz alles in den Schatten: Kein loyaleres Geschöpf wandelt unter der Sonne und unter dem Schreibtisch. Seine stille Anteilnahme stützt unser tägliches Bemühen. Er würdigt unser Tun, weil am Ende etwas Gutes rauskommt: Gassigehen.

Kontra
von Christoph Prantner

Im STANDARD mögen immer schon eigentümliche Tierchen ihren Pläsierchen nachgegangen sein. Wenn es sich dabei allerdings um Hunde handelte, wurde es entrisch.

Eine Zeitlang etwa hatte der Cockerspaniel Buzzo eine vielgelesene Kolumne. Dessen hundevernarrte Besitzerin behauptete, er schriebe besser als drei Viertel der Redakteure. Gerüchteweise wurde dies in mehreren Diplomarbeiten am Wiener Publizistikinstitut empirisch belegt.

Und dann gab es noch Barabas. Den bezeichnet selbst sein heute noch erschaudernder Halter (Name der Redaktion bekannt) als "üble Promenadenmischung". Barabas lebte seinen Jagdtrieb am Wissenschaftsredakteur aus, biss einen Kollegen aus der Wirtschaft und schnüffelte hitzig Buzzo nach. Als er den Herausgeber mit beiden Pfoten schulterhoch an die Wand stellte und ihn um einen Kopf kürzer machen wollte, hatte sich Barabas in puncto liberales Blatt verkalkuliert. Er musste gehen, sein Besitzer durfte bleiben.

Heute ist die Redaktion nach einer kurzen Übergangsphase von weit über zehn Jahren hundelose Zone. Und das ist gut so. (RONDO, 8.4.2016)

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