Verschlüsselung für alle: Whatsapp unbeeindruckt von FBI-Drohgebärden

6. April 2016, 09:11
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Ab sofort sind über eine Milliarde Nutzer vor Überwachung durch Behörden geschützt

Whatsapp hat am Dienstag die größte Verschlüsselungsoffensive im Bereich der elektronischen Kommunikation umgesetzt. Ab sofort sind alle Nutzer bei allen Kommunikationsformen vor dem Zugriff durch Überwacher geschützt. Die Verschlüsselung umfasst iPhones, Android-Smartphones und Blackberrys ebenso wie Windows Phones; außerdem gilt sie für Chat und Audio-Gespräche genauso wie für Videonachrichten und Bilder. Insgesamt sind mehr als eine Milliarde Nutzer davon betroffen.

FBI wollte Apple verpflichten

Die zu Facebook gehörende Firma sorgt damit für neuen Sprengstoff im Kampf zwischen Regierungsbehörden und IT-Konzernen. In den vergangenen Monaten war ein Streit zwischen Apple und dem FBI eskaliert. Die US-Bundespolizei wollte Hilfe beim Entsperren eines iPhones, das einem Terroristen gehört. Apple sollte ein Programm entwickeln, mit dem das FBI den Passcode des Geräts aufknacken kann. Das Unternehmen hatte sich dagegen gewehrt. Der Fall wäre wohl vor dem Supreme Court (Obersten Gericht) gelandet, hätte das FBI nicht mithilfe einer israelischen Firma andere Wege beschreiten können.

Verschlüsselungsgegner in Politik

Im Zuge der Debatte mit Apple hatten sich zahlreiche Regierungsmitglieder und Abgeordnete zu Wort gemeldet. US-Präsident Barack Obama hatte davon gesprochen, dass der Schutz der Nutzer zwar wichtig sei, aber eine "absolute Verschlüsselung" kein erstrebenswertes Ideal sei, wenn es die Ermittlungen der Behörden behindere. Genau das macht nun aber Whatsapp. Unterstützung erhielt der Messaging-Konzern vom Programmierer Moxie Marlinspike, der mit Open Whisper Systems ein Open-Source-Projekt für die Verschlüsselung von Kommunikationen erschaffen hatte.

Whatsapp und Idealismus

Marlinspike gilt im Silicon Valley als Idealist. "Wired" berichtet, er habe sogar argumentiert, dass Verschlüsselung wichtig sei, weil dadurch jeder die Chance erhalte, das Gesetz zu brechen. Das klingt zwar radikal, spiegelt aber eine gewisse Grundhaltung im Silicon Valley wider. Dort wird argumentiert, dass elektronische Kommunikation mittlerweile äquivalent zu realen Treffen sei. Wären FBI und Co in der Lage, jedwede Face-to-Face-Gespräche der Welt abzuhören, befände man sich mitten in einem Überwachungsstaat. Daher müssten nun auch alle via Internet durchgeführten Gespräche verschlüsselt werden.

Überwachung hautnah erlebt

Whatsapp-Gründer Jan Koum sieht das ähnlich. Er stammt aus der Ukraine und kennt die Überwachungsbegehrlichkeiten staatlicher Institutionen aus erster Hand. Koum argumentiert, dass die Verschlüsselungsmaßnahmen seines Konzerns nicht unmittelbar auf das FBI und die USA abzielten, da Whatsapp ja weltweit genutzt werde. Die Schutzmaßnahme gelte vielmehr vor allem Nutzern in Ländern mit repressiven Regimen. Die Entscheidung zur Verschlüsselung sei laut "Wired" bereits lange vor der Übernahme durch Facebook im Februar 2014 erfolgt.

Facebook unterstützt Weg

Dennoch ist klar, dass Facebook hinter der Maßnahme steht. Gründer und Chef Mark Zuckerberg hatte sich wiederholt auf die Seite von Apple gestellt und gegen Überwachung gewettert. Die Umstellung auf verschlüsselte Whatsapp-Kommunikation ist in den vergangenen Monaten schrittweise erfolgt. Gröbere Probleme sollen die Kompatibilität für alle Geräte und die Verschlüsselung von Videos ergeben haben.

Dem Konzern könnte nun Ungemach drohen. Schon nach den Attentaten in Paris hatte es geheißen, Terroristen würden über Whatsapp kommunizieren, das für iPhone-Nutzer bereits damals verschlüsselt war. Whatsapp-Gründer Koum verweist gegenüber Wired jedoch darauf, dass es auch verschlüsselte Alternativen gegeben hätte, die Terroristen also auf andere Apps ausgewichen wären. Es ist zu erwarten, dass das FBI nun auf einen Präzedenzfall wartet, um juristisch gegen Whatsapp vorzugehen. (fsc, 6.4.2016)

  • Whatsapp schützt seine Nutzer vor staatlichem Zugriff
    foto: reuters/white

    Whatsapp schützt seine Nutzer vor staatlichem Zugriff

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