FIFA ermittelt gegen Mitglied der Ethikkommission

5. April 2016, 20:51
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Offshore-Firmen für drei Angeklagte des FIFA-Skandals

Zürich – Sechs Wochen nach der Wahl zum FIFA-Chef wird Gianni Infantino möglicherweise ein erstes Mal von den Problemen seines Vorgängers eingeholt. Vom Recherche-Ergebnis eines internationalen Mediennetzwerkes, den sogenannten "Panama Papers", ist auch der Fußball-Weltverband betroffen. Gegen Juan Pedro Damiani, ein Mitglied der Ethikkommission, wurden als Vorabklärung erste interne Schritte eingeleitet.

Ein Teil der Spuren eines gigantischen Datenlecks führen zu einem sensiblen Bereich der FIFA: In den 11,5 Millionen offengelegten Dokumenten der Kanzlei Mossack Fonseca tauchte auch der Name Damianis auf, der seit 2006 in der Ethikkommission der FIFA sitzt und in den vergangenen vier Jahren am Sturz einer Reihe bekannter Persönlichkeiten mitbeteiligt war.

Der Anwalt aus Uruguay gilt als einer der reichsten Männer seines Landes und ist Präsident des Fußballclubs Penarol Montevideo. In der juristischen Kammer der FIFA befasst er sich mit den Fällen mutmaßlich korrupter FIFA-Mitglieder.

Nun gerät der 57-Jährige selbst unter Druck. Er soll nach Informationen der weltweit im Verbund agierenden Investigativ-Journalisten drei im Zuge des FIFA-Skandals Angeklagten in Steueroasen zu Offshore-Firmen verholfen haben, über die unter dem Deckmantel unbekannter Inhaber möglicherweise Bestechungsgelder geflossen sind.

Gemäß der "Süddeutschen" handelt es sich den Beschuldigten um seinen Landsmann Eugenio Figueredo, den ehemaligen FIFA-Vize und Präsidenten des Südamerika-Verbandes, sowie um die argentinischen TV-Rechtehändler Hugo Jinkis und dessen Sohn Mariano, die im Verdacht stehen, beispielsweise bei der Copa America hohe FIFA-Funktionäre mit Millionen bestochen zu haben, um sich günstige Fernsehrechte zu sichern. Die US-Justiz erhob im Mai 2015 Anklage gegen sie. Der 83-jährige Figueredo wurde in seiner Heimat angeklagt und hat laut Staatsanwaltschaft im Februar eingewilligt, für eine Strafminderung zehn Millionen Dollar zu zahlen.

Die Anwaltskanzlei "J.P. Damiani" tritt in verschiedenen Fällen als Verwalter auf. Nach Auswertung der Datenflut von rund 2,6 Terabyte erhärtete sich der Verdacht, dass Damiani als Großkunde von Mossack Fonseca an die 400 Briefkasten-Firmen gekauft und trotz verschiedener Interessenskonflikte an eigene Kunden weitervermittelt hat.

Gegenüber der "BBC", die Teil des internationalen Recherche-Pools ist, wollte Damiani keinen Kommentar abgeben. Ein Sprecher des Südamerikaners erklärte, er habe den Präsidenten der Ethikkommission über seine Geschäftsbeziehungen informiert – gemäß "BBC" und "Guardian" aber erst nach der Konfrontation mit den medialen Ergebnissen.

Noch am Sonntagabend hat die Ethikkommission unter der Leitung des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert eine Voruntersuchung eingeleitet. Weitere Details sickerten nicht durch. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, droht dem Weltfußball-Verband ein nächstes Beben – mit einem Epizentrum, das eigentlich als Korrektiv für die Misswirtschaft vorgesehen ist und Infantino den Weg zu einer grundlegend reformierten Gesellschaft ebnen sollte. (APA, sda, 5.4.2016)

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