Des Sammlers sturer Kopf

Kommentar5. April 2016, 18:01
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Im Museumsalltag erwies sich Essl als beratungsresistent

Kunstliebhaber stehen sich manchmal selbst im Weg. Dass der Baumax-Gründer und Kunstsammler Karlheinz Essl den Ausstellungsbetrieb seines Museums in Klosterneuburg irgendwann aufgeben könnte, war denkbar. Von Anfang an litt das 1999 eröffnete Haus an seinem ungünstigen Standort. Am Ausbleiben der Besuchermassen, die ein Bau dieser Größe zur Erhaltung des Betriebs gebraucht hätte, konnte selbst ein Gratis-Shuttle nichts ändern. Dass dieser unlängst eingestellt werden musste, war bereits ein Indiz der Ausweglosigkeit.

Keine Frage: Kultur an der Peripherie zu ermöglichen ist ein edles Unterfangen. Dafür gebührt dem Sammler Anerkennung. Dass hier aber ein Wirt die Rechnung ohne den Gast gemacht hat und diese dann doch der Allgemeinheit präsentieren wollte, steht auf einem anderen Blatt.

Zur Rettung seiner angeschlagenen Baumarktkette bot Karlheinz Essl Anfang 2014 der Republik Österreich die Kunstsammlung zum Kauf an. Zu Recht lehnten Bund und Land damals ab. Staatliche Haftung für eine unverhältnismäßig großzügig angehäufte Privatsammlung sollte nicht zum Präzedenzfall werden. Als Retter kam schließlich Hans Peter Haselsteiner mit einem Überbrückungskredit ins Spiel. Im Museumsalltag erwies sich Essl allerdings als einigermaßen beratungsresistent. Vom Vollbetrieb des Hauses wollte er nie abrücken. Letztlich scheiterte das Museum also auch an der Sturheit seines Gründers. (Stefan Weiss, 5.4.2016)

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