Kotspuren dürften Hannibals Route über die Alpen verraten

5. April 2016, 18:41
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Lange Zeit war gerätselt worden, auf welchem Weg der Feldherr aus Karthago nach Norditalien gelangte

Toronto/Belfast – Vermutlich im Jahr 218 vor unserer Zeitrechnung führte Hannibal seine Armee über die Alpen nach Italien und schlug das römische Heer in der Po-Ebene. An der einzigartigen Aktion waren auch mehr als 15.000 Pferde und Maultiere sowie 37 Elefanten beteiligt. Unklar ist bis heute, über welche Route er aus dem heutigen Frankreich kommend nach Norditalien gelangte.

Doch nun könnten Forscher um William Mahaney (York University in Toronto) dieses Rätsel gelöst haben – und zwar anhand von mehr als 2160 Jahre altem Kot, den sie am fast 3000 Meter hohen Col de la Traversette in einer einen Meter tiefen Schlammschicht gefunden haben, wie sie im Fachblatt "Archeometry" berichten.

Viel Mist und Pferdebakterien

Konkret fanden die Wissenschafter so erhebliche Mengen alter Kacke , was sich nur durch eine große Menge an Menschen und Tieren erklären lässt. Zum anderen entdeckten Mahaney und Kollegen in den Kotresten erhebliche Mengen von Genen der Bakteriengattung Clostridia – einer Gattung, die in Pferdekot besonders häufig vorkommt.

Der 2947 Meter hohe Gebirgspass am Monte Viso im Nordwesten Italiens galt immer wieder als mögliche Route der Punischen Armee. In den letzten Jahren schien eine Überquerung des Col de Clapier, des Col de Montgenèvre oder des Mont Cenis, die 500 bis 1000 Meter tiefer gelegen sind, aber als wahrscheinlicher. Aber allem Anschein und Kot nach dürfte Hannibal wohl doch die härteste Variante gewählt haben. (red, 6.4.2016)

  • Die Alpenüberquerung Hannibals mit laut Überlieferung zunächst bis zu 50.000 Soldaten, 9000 Reitern und 37 Kriegselefanten gilt bis heute als logistische Meisterleistung.
    grafik: yassine mrabet/ cc-by-sa 3.0

    Die Alpenüberquerung Hannibals mit laut Überlieferung zunächst bis zu 50.000 Soldaten, 9000 Reitern und 37 Kriegselefanten gilt bis heute als logistische Meisterleistung.

  • So stellte sich Nicolas Poussin 1625 Hannibals Kriegszug vor. Tatsächlich dauerte der Marsch insgesamt 16 Tage, Zehntausende von Hannibals Soldaten starben dabei, von den Kriegselefanten überlebte angeblich nur einer.
    foto: reuters/christie's images

    So stellte sich Nicolas Poussin 1625 Hannibals Kriegszug vor. Tatsächlich dauerte der Marsch insgesamt 16 Tage, Zehntausende von Hannibals Soldaten starben dabei, von den Kriegselefanten überlebte angeblich nur einer.

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