ORF-Frühstückfernsehen: "Neugiereffekt" verblasst

5. April 2016, 17:08
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Tendenziell rückläufig entwickeln sich die Quoten von "Guten Morgen Österreich". Inhaltlich werden allzu plüschige Themen kritisiert. In den Kontrollgremien dominiert ansonsten vorsichtige Zurückhaltung. Der ORF sieht sich schon jetzt bestätigt

Wien – Dienstag, sechs Uhr Früh. Eva Pölzl und David Breznik sagen aus Zwischenwasser, Vorarlberg, "Guten Morgen Österreich" auf ORF 2. Die Themen liegen weit auseinander: Spielzeug und Geschlechterklischees, Vulkanausbruch in Mexiko, Rasenpflege, Schuhplattlerkurs, Flüchtlinge "garteln", Nachbarschaftsstreit. Das Wetter: Sonne und Wolken im Westen, in ganz Österreich bleibt es trocken.

Kein ungetrübtes Hochdruckwetter verheißen die Quoten von Österreichs zweitem Frühstücksfernsehen nach Puls 4: Neben inhaltlicher Kritik an mitunter allzu plüschigen Themen haben sich nach einer Woche Frühstücksfernsehen die Zuschauerzahlen zum Teil halbiert. Die Grafik rechts spiegelt die Zeitzonen der Magazine ohne die halbstündlichen ZiBs wider. Während vergangene Woche am Dienstag zum Start um 6.05 Uhr noch 71.000 (33 Prozent Marktanteil) dabei waren, schauten am Montag dieser Woche nur noch 33.000 (20 Prozent).

"Neugiereffekt" verblasst

Die letzte Sendung des Tages von 8.32 Uhr bis 9 Uhr verliert in fünf Tagen 19.000 Zuschauer. Der "Neugiereffekt" hielt offenbar nicht allzu lange an. Leicht erholten sich die Gesamtzahlen nach dem bisherigen Tiefstand vom Freitag. Puls 4 mit bis zu 37.000 Zuschauern zwischen Dienstag und Freitag und Servus TV mit bis zu 7000 schlägt Guten Morgen Österreich damit aus dem Stand.

Ob sich der Aufwand rechtfertigt, fragt sich hingegen Wilfried Embacher. Der grüne Stiftungsrat war der Einzige im Gremium, der gegen das Frühstücksfernsehen stimmte. "Ich fühle mich in meiner Skepsis bestätigt", sagt Embacher. Vorgestellt hatte er sich ein "Morgenjournal mit Bildern". Thomas Zach, Leiter des ÖVP-"Freundeskreises" im Stiftungsrat, ist zufrieden: "Regionalität ist ein wichtiges Thema für den ORF", lobt er, "ebenso wie Nachrichten." Den Rest "wird man sich vernünftigerweise eine gewisse Zeit anschauen", sagt Zach.

ORF sieht keinen Änderungsbedarf

Kaum Erfreuliches sah dagegen Publikumsrätin Eva Blimlinger bisher: "Ich schau lieber weiterhin ZDF/ARD, dort gibt es Politik, Interviews aktuell, aber auch vernünftige Softthemen, jedenfalls Sport und ein vernünftiges Wetter und nicht einen fragwürdigen Mondkalender, Fremdenverkehrswerbung pur und seltsame Ratespiele."

Der ORF verspricht "Nachjustierungen" bei "Themenmix, Beitragsgestaltung", hält aber fest: Die Reichweite habe sich im Vergleich zum Wetterpanorama verdrei-, bei Zwölf- bis 49-Jährigen sogar versechsfacht. (prie, 5.4.2016)

  • David Breznik und Eva Pölzl wünschten am Dienstag "Guten Morgen" aus Zwischenwasser. >>> Zum Nachsehen auf tvthek.orf.at.
    foto: tvthek.orf.at(/screensho

    David Breznik und Eva Pölzl wünschten am Dienstag "Guten Morgen" aus Zwischenwasser. >>> Zum Nachsehen auf tvthek.orf.at.

  • Die ersten fünt Tage von "Guten Morgen Österreich".
    foto: der standard

    Die ersten fünt Tage von "Guten Morgen Österreich".

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