Weltraumtechnologie für den persönlichen Gesundheitscheck

6. April 2016, 09:00
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Medizintechnik-Unternehmen greift Messtechnologie und Sensoren aus ehemaligem Austromir-Projekt auf

Graz/Weiz – Von Hochtechnologie, die ursprünglich für den Einsatz im Weltraum zur Messung des Gesundheitsstatus von Kosmonauten entwickelt wurde, sollen künftig auch all jene profitieren, die diesen Planeten nie verlassen werden: Ein steirisches Medizintechnikunternehmen stellt nun entsprechende Technik vor, die im Bereich der Rehabilitation, im Freizeitsport oder in Gesundheitszentren Anwendungen finden könnte.

Im Rahmen des Austromir-Weltraumprojektes 1991 führte Franz Viehböck als der bis dahin erste und bisher einzige Österreicher fünfzehn Experimente an Bord der russischen Raumstation Mir durch. Der Grazer Forscher Maximilian Moser, war wesentlich an der Entwicklung einer Sensorjacke mitbeteiligt, die den Gesundheitszustand von Viehböck nicht-invasiv erheben sollte.

"Die Daten, die wir mit dieser Sensorjacke gewinnen konnte, zeigten erstmals, wie sich das vegetative Nervensystem und das Kreislaufsystem in der Schwerelosigkeit verhält", schildert Viehböck. Im Mittelpunkt stand die Messung der Herzratenvariabilität durch eigens gebaute Sensoren, die im Brustbereich angelegt wurden. "Für mich ist es beeindruckend, dass das Forscherteam seine Erkenntnisse ständig weiterentwickelt hat", so Viehböck.

Was das autonome Nervensystem verrät

Seither sei das System in acht Generationen entwickelt worden: "Wir messen die Aktivitäten des autonomen Nervensystems mit höchster Genauigkeit", erklärte Thomas Hassler, Geschäftsführer des Unternehmens "Joysys". Die gewonnenen Daten sollten Rückschlüsse auf den Zustand des vegetativen Nervensystems und damit zugleich auf die Gesundheit und Fitness der Testperson erlauben.

Aus Sicht des Unternehmens mit aktuell fünf Mitarbeitern sei die Technologie und das seither gewonnene Know-How im Freizeit- und Hochleistungssport einsetzbar. Dies gelte auch für die allgemeine und betriebliche Gesundheitsvorsorge. Selbst für den Bereich der Diagnose und Therapieüberwachung von Herz-Kreislaufkrankheiten, entzündlichen Krankheiten bis hin zu Krebs sieht Hassler Potenzial. Insgesamt solle das System kompakter und günstiger werden und "in Richtung Consumer" gehen, so Hassler.

"Wir erheben, wie gesund, beziehungsweise gestresst der Organismus ist und helfen, mit erprobten Interventionen diesen zu verbessern und zu stabilisieren", so der Geschäftsführer des im Vorjahr gestarteten Unternehmens, das sich im Innovationszentrum Weiz angesiedelt hat. Die bisherige Zahl von fünf Mitarbeitern soll sich bis Ende des Jahres auf zehn verdoppeln und ein Vertrieb im deutschsprachigen Raum wie auch Großbritannien aufgebaut werden. Zugleich soll der bisherige Umsatz von 350.000 Euro auf 800.000 Euro mit Jahresende anwachsen. Bis 2020 plane man rund vier Millionen Euro zu investieren. (APA, red, 6.4.2016)

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