Essl-Museum stellt Ausstellungsbetrieb mit 1. Juli ein

5. April 2016, 17:26
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Schmerzhaftes Kapitel in der Essl-Saga: Nach knapp 17 Jahren stellt das Museum
in Klosterneuburg den Ausstellungsbetrieb ein. Als Depot für die Sammlung bleibt es vorerst erhalten. Weitere Verkäufe aus dem Bestand müssen folgen

Klosterneuburg – Theoretisch würden Karlheinz und Agnes Essl 2017 das 45-jährige Gründungsjubiläum ihrer Sammlung zelebrieren, wenngleich weniger pompös als das 35-jährige 2007. Damals konnte man punkto Kaliber noch aus dem Vollen schöpfen, wie der mit Werken international und national renommierter Künstler gespickte mehrbändige Ausstellungskatalog noch heute eindrücklich belegt: eine Auswahl aus dem etwa 5000 Positionen reichen Bestand, der von der Leidenschaft und begleitenden Kauffreude des Sammlerehepaares zeugte, die eine Dekade später und in dieser Form nicht mehr existiert.

Praktisch muss eine etwaige Jubiläumsschau kommendes Jahr ausgelagert werden. Denn wie Karlheinz Essl im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag verlautbarte, wird das Museum nach knapp 17 Jahren mit 1. Juli 2016 seine Pforten schließen. Eine Entscheidung, die sich in den vergangenen Monaten sukzessive abzeichnete und die manch einer deutlich früher erwartet hätte.

Sammlung als Pfand

Rückblick ins Frühjahr 2014: Im März war das Ausmaß der finanziellen Probleme der in wirtschaftliche Schieflage geratenen Baumarktkette bekannt geworden und auch, dass die über Jahrzehnte aufgebaute Sammlung als Pfand fungierte. In einem dramatischen Appell diente Essl die als "österreichisches Kulturgut" angepriesene Kollektion der öffentlichen Hand an. Wiewohl als "Angebot" verkleidet, handelte es sich um eine Forderung. Denn es stünden "rund 4000 Arbeitsplätze, davon solche von 160 Menschen mit Behinderung, allein in Österreich" auf dem Spiel.

Klare Absage

Sowohl Bund als auch das Land Niederösterreich erteilten eine klare Absage. Das Problem sei wirtschaftspolitisch zu lösen, nicht kulturpolitisch, brachte es Landeshauptmann Erwin Pröll auf den Punkt, der zeitgleich erstmals Einblick in seine Pläne zur neuen Landesgalerie samt großem Sammlermuseum präsentierte. Die Geschichte nahm ihren Lauf: Offiziell gab sich Essl optimistisch, der Fortbestand der Sammlung sei ebenso wie die Finanzierung und Weiterführung des Museums gesichert. Hinter den Kulissen wurde darum hart gerungen. Ein Samariter, der keine Bedingungen stellte, blieb aus. Ein Teilverkauf der Sammlung war längst entriert, als Hans Peter Haselsteiner ins Spiel kam. Man wurde handelseinig, gründete die SE-Sammlung Essl GmbH (60 Prozent Hasel steiner, 40 Prozent Essl), und Karlheinz Essl verlautbarte die Rettung seiner Sammlung und des Museums.

Die 42 Gläubigerbanken waren mit kolportierten 115 Millionen Euro abgefunden worden. Ein Überbrückungskredit, der Bonität des Industriellen sei Dank. Die Auktion bei Christie’s in London brachte weniger als erwartet, re finanzierte aber immerhin knapp die Hälfte des Deals.

Kunstwerke veräußert

Den Rest, darüber ließ Haselsteiner nie Zweifel aufkommen, muss Essl bis 2024 in Raten ab stottern. Dazu werden teils hinter den Kulissen, teils über Auktionen weiterhin Kunstwerke veräußert. Dem Vernehmen nach anfangs nicht immer akkordiert. Die Unstimmigkeiten häuften sich jedenfalls. Mit 1. Juni 2015 zog sich Haselsteiner aus der Geschäftsführung der gemeinsamen Gesellschaft zurück und übergab diese Position an einen Vertrauten, an Wilhelm Weiß, Direktor des Strabag-Kunstforums.

Während das Baumax-Imperium zerbröselte, stand die Finanzierung des Museumsbetriebs stets auf der Kippe. Man kann ein solches Haus mit jährlich drei Millionen Euro betreiben, aber auch um die Hälfte, stellte Hans Peter Haselsteiner im Standard-Gespräch klar. Er finanziere die Instandhaltung und den Betrieb des Depots mit 500.000 Euro jährlich, der Rest ginge ihn nichts an.

Keine Zusage vom Bund

2015 hat das Land Niederösterreich etwa 460.000 Euro zugeschossen. In etwa dieser Größenordnung war auch eine Subvention für 2016 geplant, wie Kulturabteilungsleiter Hermann Dikowitsch auf Anfrage bestätigt. Laut einer Aussendung des Essl-Museums wäre dies jedoch an die Bedingung geknüpft gewesen, dass auch der Bund einen wesentlichen Beitrag leistet. Die von Essl und Haselsteiner einträchtig geforderte Zusage dafür blieb aus.

Die Schließung des Privatmuseums – die Essl laut APA "bis in die tiefste Seele schmerzt" – kann auch als ein Akt der Rettung der verbliebenen Sammlung verstanden werden. Dass sie gänzlich aus der Öffentlichkeit verschwindet, ist auszuschließen: Als Leihgaben gastierten Essl-Schützlinge von jeher bei Ausstellungen, und künftig fände man eventuell temporär auch im Künstlerhaus Unterschlupf. Letzteres hat Hans Peter Haselsteiner als Mehrheitseigentümer der neuen Betreibergesellschaft in Aussicht gestellt. (Olga Kronsteiner, 5.4.2016)

  • Nicht mehr finanzierbar: das Essl-Museum.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Nicht mehr finanzierbar: das Essl-Museum.

  • Nach außen hin war Karlheinz Essl vom Fortbestand des Museums überzeugt, hinter den Kulissen tobte der Kampf ums Budget. Vom Bund forderte man 3,2 Millionen Euro (bis 2018), die vom Sektionsbeirat abgelehnt wurden.
    foto: reuters / heinz-peter bader

    Nach außen hin war Karlheinz Essl vom Fortbestand des Museums überzeugt, hinter den Kulissen tobte der Kampf ums Budget. Vom Bund forderte man 3,2 Millionen Euro (bis 2018), die vom Sektionsbeirat abgelehnt wurden.

  • "Es schmerzt bis in die tiefste Seele": Karlheinz Essl.
    foto: reuters / heinz-peter bader

    "Es schmerzt bis in die tiefste Seele": Karlheinz Essl.

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