Kontakt zu japanischem Weltraumteleskop Hitomi abgerissen

5. April 2016, 09:00
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Kommunikation zum Röntgensatelliten am 26. März abgebrochen

Tokio/Genf – Die japanische Raumfahrtbehörde JAXA hat seit Tagen keinen Kontakt zum Röntgensatelliten Hitomi, der am 17. März gestartet wurde. Der mögliche Verlust des Weltraumteleskops wäre ein herber Rückschlag, kommentierte Stephane Paltani von der Universität Genf, der mit seinem Team die Technik an Bord der Sonde mitentwickelt hat.

Die Kommunikation mit Hitomi brach am 26. März ab, wie die japanische Raumfahrtagentur mitteilte. Beobachtungen zufolge driften Bruchstücke um das Röntgen- und Gammastrahlen-Observatorium. Das letzte der vereinzelten Lebenszeichen empfing die JAXA jedoch danach, am 29. März. Ein Funken Hoffnung, dass vielleicht noch etwas zu retten sein könnte.

"Es gab schon Fälle, bei denen Raumsonden in einem ähnlichen Zustand noch gerettet und jahrelang verwendet werden konnten", so Paltani. Sein Team entwickelte in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Institut für Raumfahrtforschung und dem Schweizer Technologieunternehmen RUAG Space Teile der hochpräzisen Instrumente des Satelliten.

"Der einzige kleine Trost im Moment liegt darin, dass die von uns für Hitomi entwickelte Technik nach dem Start getestet wurde und einwandfrei funktionierte", so der Forscher.

Flaggschiff der Röntgenastronomie

Hitomi ist eine Flaggschiff-Mission der Röntgenastronomie unter gemeinsamer Leitung der JAXA und der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Das Observatorium wurde mit sechs Spitzentechnologie-Instrumenten ausgestattet, die ein breites Energiespektrum von Röntgen- bis zu Gammastrahlen erfassen.

Die Mission soll der Erforschung astronomischer Objekte mit extremen Eigenschaften dienen, beispielsweise Schwarze Löcher, Neutronensterne oder Galaxienhaufen.

Noch sei unklar, was schief gegangen ist und ob sich zumindest Teile des Satelliten noch verwenden lassen. "Wenn das Problem nur ein oder zwei der Instrumente betrifft, ließe sich ein Großteil der wissenschaftlichen Mission noch umsetzen", sagte Paltani.

Ein kompletter Verlust wäre aber ein herber Rückschlag, der nicht nur die Kooperationspartner, sondern die ganze Forschungsgemeinschaft der Hochenergie-Astrophysik betreffe, so der Genfer Forscher. "Hitomi ist ein Observatorium, das von jedem Wissenschafter verwendet werden könnte."

Nächster Start 2028

Sollte sich Hitomi als verloren erweisen, käme die weite Chance erst 2028: Dann nämlich will die europäische Raumfahrtbehörde ESA die Athena-Mission starten, ein Observatorium mit ähnlichen Technologien wie Hitomi.

"Zum Glück funktionieren die Zugpferde unter den Röntgenteleskopen aus der letzten Dekade noch: NASAs Chandra und ESAs XMM-Newton Röntgenteleskop", so Paltani. Beide im Jahr 1999 gestarteten Observatorien könnten noch weit bis ins nächste Jahrzehnt hinein operieren. "Aber wir würden die Instrumente der neuen Generation, mit denen Hitomi gestartet ist, natürlich schmerzlich vermissen." (APA, 5.4.2016)

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