Lionel Messi, der nimmersatte Weltfußballer

4. April 2016, 17:11
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Der Fußball ist bekanntlich eine Gelddruckmaschine. Dass ausgerechnet der beste Kicker, Lionel Messi, unter Verdacht steht, passt ins Bild

Der argentinische Barcelona-Stürmer Lionel Messi lässt nichts anbrennen. Das beweisen die Panama-Papiere. Am 13. Juni 2013, nur einen Tag nachdem bekannt wurde, dass die spanischen Steuerbehörden gegen ihn und seinen Vater Jorge Horácio Messi wegen Hinterziehung von mehr als vier Millionen Euro aus Werbeeinnahmen und Vermarktung der Bildrechte ermitteln, kauften die beiden das Unternehmen Mega Star Enterprise Inc. in Panama. Das Geschäft wickelte das uruguayische Anwaltsbüro Abreu, Abreu & Ferres ab.

Mega Star war ein Jahr zuvor von einem anderen Anwaltsbüro gegründet worden. Vermittler zwischen beiden waren die Anwälte von Mossack Fonseca, die anschließend auch die benötigten Strohmänner suchten, hinter denen die Messis ihr Guthaben verstecken – fünf an der Zahl.

Messi bestreitet Vorwürfe

Dass das Ganze dennoch aufflog, liegt an einem Brief, der von Vater und Sohn unterzeichnet wurde und in dem die beiden erklären, für alle Kosten der Firma und der Strohmänner aufzukommen, unterschrieben mit königsblauer Tinte. Der Brief wurde am Montag auf dem Nachrichtenportal "El Confidencial", das zusammen mit dem Privatfernsehsender La Sexta den Skandal in Spanien erstveröffentlichte, als Faksimile gezeigt.

Als weiterer Beweis, dass hinter Mega Star Lionel Messi und Vater stecken, dienen die Aktien der Scheinfirma. Bis 2015 konnten sie auf "den Träger" ausgestellt werden. Dann änderte Panama das Gesetz. Seither müssen sie einen Namen tragen. Laut den journalistischen Untersuchungen sind sie auf den Vater ausgestellt, allerdings ohne den Nachnamen Messi. Messi bestreitet die Vorwürfe. Das Umfeld des 28-Jährigen teilte der spanischen Sportpresse mit, dass Messi und Vater prüfen würden, inwieweit sie gegen die Süddeutsche Zeitung und die anderen Medien gerichtlich vorgehen können.

Geflecht aus Scheinfirmen

Mega Star ersetzte ein breites Geflecht aus Scheinfirmen in Uruguay, Belize, der Schweiz und in Großbritannien, das den Messis bis zu den Ermittlungen in Spanien diente, um Einnahmen am Fiskus vorbeizuschleusen. Der Prozess beginnt nach Ende der Champions League im Mai. Insgesamt drohen Messi, der angibt, sein Vater habe alles ohne sein Wissen eingefädelt, 22 Monate Haft und vier Millionen Euro Bußgeld.

Ins Gefängnis muss er wohl kaum, denn in Spanien werden Haftstrafen unter zwei Jahren üblicherweise zur Bewährung ausgesetzt, und die Geldstrafe dürfte wenig schmerzen. Denn Messi war 2015 laut dem alljährlichen Ranking der französischen Sportseite France Football mit 65 Millionen Euro auch der Weltfußballer in Sachen Einnahmen.

Es sind nicht die einzigen Verdachtsmomente gegen Messi. Die spanische Polizei untersucht, ob der fünffache Weltfußballer bei Spielen, die der FC Barcelona zu seinen Ehren austrug, Gelder der lateinamerikanischen Drogenmafia gewaschen hat.

Auch Platini soll Firma in Panama gegründet haben

In den Papieren aus Panama tauchen weitere Persönlichkeiten aus der Fußballwelt auf. Der ehemalige Real-Madrid-Profi Iván Zamorano soll ebenso Geld in Panama geparkt haben wie der vor sechs Monaten wegen ominöser Einnahmen in Höhe von 1,8 Millionen Euro suspendierte Uefa-Präsident Michel Platini. Auch er soll laut den Recherchen im Jahr 2007 eine Firma in Panama gegründet haben.

Platinis Anwälte teilten der Nachrichtenagentur AFP mit, dass ihr Mandant seine gesamten finanziellen Einkünfte und Besitzverhältnisse den Schweizer Behörden an seinem Wohnsitz zugänglich gemacht habe. Auch ein Mitglied der Fifa-Ethikkommission, Juan Pedro Damiani, soll in den Papieren aus Panama auftauchen. Der uruguayische Anwalt soll Kontakte zu den unter Hausarrest stehenden argentinischen TV-Rechtehändlern Hugo und Mariano Jinkis gepflegt haben. Außerdem ermittelt die Fifa aufgrund mutmaßlicher Geschäftsverbindungen zwischen Damiani und dem im Korruptionsskandal geständigen Uruguayer Eugenio Figueredo. Bestechungsgelder sollen innerhalb der Fifa über Offshore-Konten geflossen sein. (Reiner Wandler aus Madrid, 5.4.2016)

  • Lionel Messi, der die Bälle quasi reihenweise versenkt, ist nun selbst ins Netz der Fahnder geraten. Sein Vater Jorge Horácio soll sich um die Vermehrung des Reichtums gekümmert haben.
    foto: ap/lluis gene

    Lionel Messi, der die Bälle quasi reihenweise versenkt, ist nun selbst ins Netz der Fahnder geraten. Sein Vater Jorge Horácio soll sich um die Vermehrung des Reichtums gekümmert haben.

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