Einsprachige Pausengespräche: Tschürtz, Niessl und die Deutschpflicht

4. April 2016, 17:27
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Die FPÖ des dreiamtssprachigen Burgenlandes fordert Deutsch als Pausensprache

Eisenstadt / Kismarton / Zeljezno / Tikni Martona / Asch – Am sonntägigen Landesparteitag wurde der blauen Regierungsfraktion noch ein ordentliches Binkerl umgehängt. Einstimmig hat man beschlossen, alles daranzusetzen, dass die Sprache in den Schulpausen Deutsch zu sein hat. Widrigenfalls sollten Strafen drohen, Werner Wassicek, der Obmann des pannonischen Ringes Freiheitlicher Jugend, kann sich zum Beispiel "ein Minus, einen Klassenbucheintrag" vorstellen.

Weil nämlich, so Wassicek, man hier in Österreich sei. "Unsere Landessprache ist Deutsch." Schon am Sonntag tauchten auch FP-intern Bedenken auf. Immerhin, so bedachte man, befinde man sich hier zwar in Österreich, andererseits aber auch im Burgenland, wo es vier autochthone Volksgruppen und drei verfassungsrechtlich garantierte Amts- und Schulsprachen gibt.

Die Vorstellung, die Kinder von zum Beispiel Veliki Boristof mit der Pausensprache Deutsch so sehr zu ganserln, dass der rote Soziallandesrat Norbert Darabos aus dem benachbarten Mjenovo endgültig auf Bollwerk-Modus schaltet, beschäftigte noch tags darauf die Regierungsblauen in jener Stadt, die mit Deutsch, Ungarisch, Kroatisch, Romanes und Hebräisch gleich fünf alte, autochthone Namen trägt.

"In guter Gesellschaft"

Zwar liege man, so hieß es im Büro von Landeshauptmann-Stellvertreter Johann Tschürtz, mit dem Beschluss "goldrichtig", mit der Steiermark ("wo die FPÖ bekanntlich nicht Teil der Regierungskonstellation ist") und Oberösterreich befinde man sich "in guter Gesellschaft". Aber leider: zuständig sei wer anderer. "Landeshauptmann Hans Niessl, mit dem ich in nächster Zeit das Gespräch suchen werde."

Hans Niessl wollte auf STANDARD-Nachfrage wortreich so sehr nichts dazu sagen, dass das schon wieder zuhörenswert war. Und er verwies auf seine reichhaltige Pädagogenerfahrung. Es habe sich als hilfreich erwiesen für neue, nichtdeutschsprachige Schüler, immer und überall Deutsch zu sprechen. Ins Klassenbuch habe er freilich auch anderweitig nie jemanden schreiben müssen. Mag sein, Werner Wassicek oder gar Hans Tschürtz sind die Ersten. (Wolfgang Weisgram, 4.4.2016)

  • Droht die Eintragung ins Klassenbuch?
    foto: apa/robert jaeger

    Droht die Eintragung ins Klassenbuch?

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