Prozess um Autoeinbrüche: Gefinkelte Beschaffungskriminalität

17. April 2016, 14:00
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Ein 32-jähriger Drogenabhängiger soll dutzende Male in Autos eingebrochen haben. Die Beute machte er auf eher ungewöhnliche Weise zu Geld

Wien – Selbst vom Portier des Volkstheaters hat Florian P. Geld bekommen. Indem er ihm einen zuvor gestohlenen Schlüsselbund als Sicherheit hinterließ. Und einen Ausweis zeigte, den er ebenso gestohlen hatte. Mindestens 27-mal soll der 32-jährige Drogenabhängige mit dieser Masche Bares lukriert haben, um sich seine Sucht zu finanzieren.

P. ist als Kind adoptiert worden, als sein Vater, ein Anwalt, starb, habe ihn das wieder aus der Bahn geworfen, erzählt der achtfach Vorbestrafte dem Richter Stefan Erdei. Vorgezeichnet war der Weg nicht: Nach der HTL arbeitete der Angeklagte als IT-Spezialist und verdiente sich als Barkeeper etwas dazu.

"Ich habe mir Kokain gespritzt", erzählt P. durchaus eloquent, "teilweise bin ich zwei Nächte durchgehend herumgeirrt und hatte Blasen an den Füßen", schildert er seinen Zustand im vergangenen Herbst.

"Das meiste im Rauschzustand"

"Das meiste habe ich im Rauschzustand gemacht." – "Dafür haben Sie es eigentlich recht gut gemacht", zollt Erdei ironisch Respekt. "Sie haben immer unbeobachtet in Garagen das Seitenfenster von Autos eingeschlagen und den Innenraum gründlich durchsucht."

Dabei nahm er auch Urkunden und Visitenkarten mit. Mit denen er sich im nächsten Gasthaus oder bei Passanten auswies. Er benötige dringend Geld, um mit dem Taxi zu seiner Frau ins Spital zu kommen, soll er gesagt haben. Als Sicherheit hinterließ er das Diebsgut: von Navis über Computer bis hin zum Rasierer.

Ein pikantes Detail: Einige Delikte beging er in der Tiefgarage Tannengasse – deren Eingang befindet sich genau gegenüber einer Polizeiinspektion.

Lasche Ermittlungen der Polizei

Die ermittelnden Beamten scheinen mehr Interesse am Aufpolieren der Aufklärungsstatistik gehabt zu haben als an Beweisen. 116 Fakten waren ursprünglich angeklagt, mehr als 80 davon hat Erdei der Staatsanwaltschaft gleich wieder für weitere Erhebungen zurückgeschmissen. Die äußerst dünne Argumentation der Polizei für die Anzeigen: Die Taten fanden in denselben drei Bezirken statt, in denen auch P. aktiv war – und die Autoscheiben eingeschlagen.

Für die Einbrüche, die der Angeklagte zugibt – auch wenn ihm teilweise die Erinnerung fehlt, wie er behauptet –, erhält er drei Jahre unbedingt. Zusätzlich werden eineinhalb Jahre, die von früheren Strafen bedingt waren, widerrufen. Ein Antrag auf Therapie statt Strafe wäre zwar möglich, wurde aber vorerst nicht gestellt. (Michael Möseneder, 17.4.2016)

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