Körperverletzungsprozess: Die erniedrigte Messerstecherin

4. April 2016, 13:08
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Eine 32-Jährige hat im Streit ihrem Freund ein Messer in die Brust gerammt. Sie ist zwar reuig, bestreitet aber die Absicht

Wien – Eine lebensgefährliche Stichverletzung im Brustbereich und eine Schnittwunde im Unterarm, die eine Sehne beschädigt hat: Das hat Elisabeth F. im Zuge eines Streits ihrem (Ex-)Partner zugefügt. Interessanterweise sitzt sie nicht wegen Mordversuchs vor Richter Marc Farkas, sondern nur mit einer Anklage wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung.

"Ich habe ihn ja geliebt, obwohl die Trennung gescheiter gewesen wäre", sagt die geknickte 32-jährige Unbescholtene. Und auch: "Die Beziehung hat super funktioniert, bis ich ihn betrogen habe."

Trotz des Seitensprungs habe man beschlossen zusammenzubleiben. "Aber es ist immer wieder verbal eskaliert", erinnert sich F. "Wenn wir gestritten haben, hat er mich als 'letzte Nutte' beschimpft", sagt die Angeklagte. "Er hat mich erniedrigt, monatelang", schluchzt sie.

Bild einer anderen Frau auf Facebook

Am Abend des 29. Oktober kam Oliver H. wieder in ihre Wohnung, in der sie mit ihrer zehnjährigen Tochter lebt. Zunächst sei das Treffen harmonisch verlaufen. "Dann habe ich ihn gefragt, warum er auf Facebook ein bestimmtes Bild einer Frau gelikt hat."

In der Folge kam es wieder zu einer Auseinandersetzung, bei der das Opfer auch Gläser zertrümmerte. "Er hat mich leicht weggestoßen und dann in den Schwitzkasten genommen und hinuntergedrückt", behauptet die Frau. Das war aber schon vorbei, als sie ein Brotmesser in die Hand nahm.

Laut ihrer Schilderung kam da sogar noch ihre Tochter dazu. "Sie hat gesagt: 'Mama, leg das Messer weg', ich habe sie in ihr Zimmer geschickt." Kurz darauf muss sie erstmals zugestochen haben – zunächst in den Unterarm. Dann fehlt ihr angeblich die Erinnerung: "Ich habe nur wild um mich gestochen. Aber ich wollte auf keinen Fall, dass er so schwere Verletzungen davonträgt", bestreitet sie die Absicht, während sie neuerlich in Tränen ausbricht.

"Dachte, er macht nur Spaß"

Nach dem Stich in die Brust habe sie zunächst noch gedacht, "er macht einen Spaß, er hat gegrinst". Erst als es dem 30-Jährigen erging wie Jack Palance im Italo-Western "Mercenario – Der Gefürchtete" und sich nach einiger Zeit immer mehr Blut auf seinem Hemd ausbreitete, rief sie die Rettung.

Das Opfer beteuert, nie handgreiflich geworden zu sein, am Tatabend habe er die Angeklagte "nur fixiert, sie war völlig hysterisch". Den Bruststich hat auch er zunächst nicht realisiert: "Ich spürte nur einen kurzen Schlag auf der Brust und habe das Blut erst zwei Minuten später bemerkt." Wirklich gram scheint er seiner Ex-Freundin nicht mehr zu sein: Er verzichtet auf Schmerzensgeld.

Bei einem (damals noch gültigen) Strafrahmen von ein bis fünf Jahren entscheidet sich Farkas nicht rechtskräftig für 21 Monate wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung, davon sind drei Monate unbedingt. (Michael Möseneder, 4.4.2016)

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