Österreichische Forscher tagen in Graz zu Folgen des Klimawandels

4. April 2016, 12:43
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Am "Österreichischen Klimatag" werden ab dem 6. April neue Ergebnisse präsentiert und diskutiert

Graz – Graz ist vom 6. bis 8. April Zentrum der österreichischen Klimaforschung: Am "Österreichischen Klimatag" werden rund 100 Experten auf Einladung des Netzwerks "Climate Change Centre Austria" (CCCA) an der Universität Graz berichten, welche Auswirkungen der globalen Erwärmung zu beobachten und zu erwarten sind, und wie man potenzielle Gefahren minimieren könnte.

In Graz widmen sich mehrere Forschergruppen dem Thema Klimawandel, schilderte Stefan Ropac im Vorfeld der Tagung. Forscher aus Bereichen wie Geo- und Klimaphysik, Meteorologie, Volkswirtschaftslehre, Geografie und Regionalforschung bis hin zur Philosophie beobachten, analysieren, modellieren und versuchen das Ausmaß des Klimawandels abzuschätzen. Die Wissenschafter analysieren aber auch die Rolle des Menschen als Mitverursacher, -betroffener und -gestalter dieses Wandels. Das CCCA ist dabei Drehscheibe des österreichischen Netzwerkes für Klimaforschung und Anlaufstelle für wissenschaftliche Fragen.

Zukunft der Alpen

Ein Team vom Institut für Geografie und Raumforschung der Uni Graz untersucht beispielsweise Zukunftsstrategien für steirische Gebirgstäler. "Die Alpen sind stärker vom Klimawandel betroffen als andere Regionen – und dadurch ist das Siedlungsgebiet immer wieder bedroht", sagte Institutsleiter Oliver Sass. In den Sommern sei dort in Zukunft mit noch häufigeren Regengüssen zu rechnen, wie Klimaszenarien prognostizieren. Eine Folge könnten häufigere Hochwasser und Vermurungen sein.

"Aufgrund von steilem Relief, hoher Bevölkerungsdichte und der ökonomischen Bedeutung von Sommer- und Wintertourismus ist die Bevölkerung des Alpenraums besonders verwundbar gegenüber Naturgefahren. Dieses Problem könnte sich im Zuge des Klimawandels in Zukunft verschärfen", so Sass.

Im Rahmen des Projektes "Economic and Ethical Consequences of Natural Hazards in Alpine Valleys" plant ein Forscherteam unter Sass' Leitung, die aktuelle und zukünftige Naturgefahrensituation aus geografischer, volkswirtschaftlicher und philosophischer Perspektive zu beleuchten. Weiters sollen daraus Strategien für die Zukunft der Täler abgeleitet werden.

Schutz oder Absiedlung?

"Wir beschäftigen uns mit den ökonomischen Auswirkungen, dem Einfluss des Klimawandels auf lokale Mensch-Umwelt-Beziehungen und mit ethischen Fragen von Eigen- und gesellschaftlicher Verantwortung", sagte Sass. Anhand von Beispielregionen will er mit seinen Kollegen erheben und diskutieren, ob die Naturgefahren und damit verbundene Schäden tatsächlich zunehmen und worauf das zurückzuführen wäre. Untersucht werde auch, "welche Wahrnehmung und welches lokale Wissen die betroffenen Einwohner über Naturgefahren haben und wie Risiko und Risikovorsorge kommuniziert werden".

Das interdisziplinäres Team analysiert, wie die Dörfer in den steirischen Tälern geschützt werden könnten, wer die Verantwortung zu tragen hat und die Kosten übernehmen muss. "Dies geht hin bis zur Frage, ob punktuelle Absiedlung aus ökonomischen Gründen die sinnvollste Option wäre, und welche immateriellen und materiellen Gesichtspunkte in diesem Fall bedacht werden müssen", so Sass. (APA, 4.4.2016)

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