Iran: Wahlerfolg einer Frau aus "moralischen Bedenken" aberkannt

4. April 2016, 12:23
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Die Abgeordnete Minu Khaleghi spricht von Rufmord und "unehrenhaften Gerüchten" um ihre Person

Teheran – Der Sieg einer jungen iranischen Reformerin bei der Parlamentswahl im Februar wurde vom Wahlaufsichtsgremium aberkannt. Der Wächterrat habe weder der Frau noch dem Innenministerium irgendwelche Gründe genannt, berichtete die Tageszeitung "Shargh" am Samstag. Es solle "moralische Bedenken" gegeben haben.

Minu Khaleghi war als eine der fünf Abgeordneten der Stadt Isfahan direkt ins neue Parlament gewählt worden. "Es kursieren aber unehrenhafte Gerüchte um meine Person mit dem Ziel, den Ruf einer Muslimin zu schädigen", sagte Khaleghi und sprach von Rufmord.

Fotos an Wächterrat

Laut unbestätigten Berichten sollen von der 30-jährigen Juristin ohne ihr Wissen private Fotos an den Wächterrat weitergeleitet worden sein. Außerdem soll sie eine uneheliche Beziehung mit einem Mann gehabt haben. Das gehört zwar auch im Iran zur Privatsphäre, aber nicht bei Personen und insbesondere nicht bei Frauen, die in den öffentlichen Dienst wollen. Khaleghi arbeitet derzeit an ihrem Doktortitel.

Bei der Parlamentswahl setzten sich die Reformer um Präsident Hassan Rouhani, besonders in dem politisch wichtigen Wahlbezirk Teheran, gegen die Hardliner durch. Außerdem schafften es auch 14 Frauen ins Parlament. (APA, 4.4.2016)

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