"Uncharted 4" angespielt: Aufbruch ins letzte große Abenteuer

4. April 2016, 16:00
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Wir konnten erstmals Naughty Dogs neues Action-Adventure probespielen und waren ziemlich angetan

Verschmelzung von Spiel und Story, fließende Übergänge von Actionszenen zu Rästseln und Kletterpassagen, Blockbuster-Feeling mit humorvollen Charakteren – all das kennt man von "Uncharted" schon. Der im Mai erscheinende vierte Teil "Uncharted 4: A Thief's End" bringt all das mit sich und erweitert Naughty Dogs so detailverliebt zum Leben erweckte Abenteuerspielserie um schiere Größe, neue Spielmechaniken und Exploration. Ach und hübscher war die Welt des Protagonisten Nathan Drake auch noch nie. Aber hier sagen Bilder und Videos mehr als Worte. Die Zeichen, dass dies ein würdiger Abschied vom charismatischen Schatzsucher wird, stehen jedenfalls ganz gut.

Piratenschatz

Für Drakes letztes Abenteuer haben sich die Autoren auf die Suche nach der sagenumwobenen Beute des britischen Seefahrers und Pirats Henry Avery gemacht. In seiner zweijährigen Karriere unter schwarzer Flagge erbeutete er im 17. Jahrhundert auf den Ozeanen der Erde das vermutlich größte Vermögen, das ein Pirat je zu fassen bekam. 1695 gelang es ihm mit sechs Schiffen im indischen Ozean eine Flotte des Mogulreichs abzufangen und sich raubend, vergewaltigend und mordend Gold und Edelsteine im heutigen Gegenwert von dutzenden Millionen Pfund anzueignen.

Der Geschichte nach tauchte Avery mit seinem Anteil der Beute unter, was damit genau geschah, ist Gegenstand historischer Debatten. In "Uncharted 4: A Thief's End" kehrt Drakes Bruder Sam aus der Versenkung hervor, um den mit Frau Elena Fisher zur Ruhe gesetzten Nathan mit einem Hinweis auf Averys Schatz und Piratenkolonie Libertalia ins Abenteurerdasein zurück zu holen.

Die Drei im Jeep

In der ersten Einzelspielerdemo, die der GameStandard vergangene Woche zusammen mit anderen Pressevertretern spielen konnte, waren die Gebrüder Drake und auch Nathans Mentor Victor Sullivan bereits wieder vereint. Am Fuße eines Vulkans in der Wüste Madagaskars in einem gut gefederten Jeep.

Mit der Aufgabe, mehrere Ruinen nach dem nächsten Hinweis zum Schatz zu untersuchen, tritt man in den Schuhen Nathan Drakes unverzüglich aufs Pedal und brettert kurz darauf gut gelaunt und mit kecken Ansagen der drei Draufgänger im Ohr über Stock und Stein. Für ein nach wie vor geskriptetes und Story-getriebenes Spiel überrascht "Uncharted 4" mit seiner Weitläufigkeit. Auf dem sandigen Untergrund vorbei an Affenbrotbäumen und Felsformationen laden Nebenrouten zur Erkundung ein. Hinauf auf matschigen Felsen versucht man den Grip nicht zu verlieren. Hinter einem Wasserfall wartet eine kleine Höhle samt Fundstücken darauf, entdeckt zu werden und dort hinten im Schatten des Felsens muss auch noch irgendetwas verborgen sein.

Viel zu entdecken

In den drei Durchläufen des rund 20 minütigen Spielabschnitts ließen sich immer neue kleine Details entlocken und die atemberaubende Weitsicht auf die Wildnis genießen. Die Entwickler schlagen dabei eine Brücke zwischen Linearität und Open-World-Ansätzen, wobei das Gefühl von spielerischer Freiheit erzeugt wird, ohne die Geschichte im Sand verlaufen zu lassen. Dialoge setzen dynamisch ein und die drei Charaktere interagieren situationsgerecht miteinander. Sully regt sich beispielsweise über Nathans Schleichtempo auf und Sam erläutert den geschichtlichen Hintergrund einer Inschrift. Anstatt durch viele Zwischensequenzen den Spielfluss zu unterbrechen, wird das Spiel zur erlebten Geschichte und die Handlungen dadurch genauso wie das praktisch unsichtbare Interface selbst erklärend.

So mokiert sich Sully während der Fahrt darüber, dass Nathan unbedingt den Aufpreis für eine Seilwinde am Jeep zahlen wollte, nur um dann vor einen Hang chauffiert zu werden, der nicht zu erklimmen ist. So springt man aus dem Auto, schnappt sich den Karabiner und wickelt das Seil um einen bereits abgenutzten Baumstamm, um das Gefährt schließlich hochziehen zu können.

Kreative Konfrontationen

Der Übergang in Konfrontationen mit den Widersacher erfolgt ebenso nahtlos. Der Milliardär Rafe Adler hat sich mit Nadine Ross, der Chefin einer Privatarmee, zusammengeschlossen, um dem Trio zuvor zu kommen. In der Demo bekam man zumindest die lebensmüden Soldaten der Bösewichte zu Gesicht, die vor einer Brücke am Fuße des Vulkans Stellung bezogen haben.

Neben der offeneren Spielwelt bedient sich Naughty Dog auch für die Mechaniken bei einer reichhaltigeren Trickkiste. Drake kann Gegner im hohen Gras schleichend überraschen, an einem Seil schwingend Gegner aus der Luft angreifen oder sie direkt unter Beschuss nehmen und im Zweikampf stellen. Die Steuerung wurde soweit verfeinert, dass man sich rasch auf allen Lösungswegen zuhause fühlt. Sogar zurückhaltende Späher kommen dank einer Makierungfunktion von Feinden nun auf ihre Kosten. Das Schöne daran: Klettern, Springen, Nahkämpfe und Schießen aus allen Lagen und Deckungen funktionierte im Probespielen leichtfüßig und zeugte von einem hohen Maß an Feinschliff. Die mehrfache Verschiebung des Marktstarts wurde offenbar intensiv genutzt.

Sandkasten für Kameraden

Einfach ist das Actionheldendasein deshalb nicht. Wer alle Herangehensweisen meistern möchte, wird Passagen immer wieder spielen müssen. "Uncharted 4" erweist sich in diesen Konfrontationen als Sandkasten, den man mehrfach besuchen will.

Die Kameraden Sully und Sam greifen Nathan dabei tatkräftig unter die Arme. Sie geben einem automatisch Deckungsfeuer, folgen dem Spieler und flankieren Gegner, um sie abzulenken oder zum gemeinsamen Takedown anzusetzen. Ganz perfekt agieren zwar auch diese KI-Kumpanen nicht, seit Naughty Dogs viel gelobtem Endzeitspiel "The Last of Us" hat sich jedoch einiges getan, um Spielern das Gefühl von Kooperation zu vermitteln.

Gegner erweisen sich unterdessen als aufmerksam und schlagen gegebenenfalls Alarm. Ein dynamisch eingeblendeter Indikator gibt Aufschluss über den Alarmierungsstatus von Feinden. Ganz so streng und ernst wie in dedizierten Stealth-Games wie "Metal Gear Solid" geht es aber nicht zur Sache.

wirspielen
Video: 20 Minuten Gameplay vom Madagaskar-Level.

Abschied auf Umwegen

Der Trip nach Madagaskar war kurz aber aufschlussreich und für Fans der Serie wird "Uncharted 4" neben neuen Tricks, Landschaften und spaßiger Fahrphysik wohl noch einige Überraschungen bereithalten. Beendet wurde die Demo übrigens nicht durch einen vorzeitigen Abspann, sondern durch die Pressebetreuer selbst. Wer sich etwas beeilte, konnte noch ein paar hundert Meter auf den Vulkan herauffahren. Unterbrechungsfrei und ganz ohne Ladezeiten. Was einen am Gipfel erwartet, verrieten die Schöpfer während des Preview-Events jedoch nicht. Wie aus den Trailern bereits hervorging, wird es abseits dessen jedoch ein Wiedersehen mit allerlei altbekannten Zeitgenossen und auch dem jungen Nathan Drake geben.

Der Multiplayer-Modus wird zum Start übrigens nur kompetitive Matches mit sich bringen. Auf die Frage, ob man wieder kooperativ zur Sachen gehen können werde, deutete Lead-Designer Ricky Cambier mögliche Zusatzinhalte an. Eine Story-Erweiterung im Stile des "The Last of Us"-Ablegers "Left Behind" ist bereits in Arbeit. Ganz so schnell will sich Naughty Dog offenbar doch nicht von seinem Abenteuer verabschieden. Ob nach "A Thief's End" ein anderes Studio die Serie fortsetzen wird, liege dann ganz an Herausgeber Sony selbst. (Zsolt Wilhelm, 4.4.2016)

"Uncharted 4: A Thief's End" erscheint am 10. Mai für PlayStation 4.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Preview fand im Rahmen einer Pressereise in Hamburg statt. Die Reisekosten wurden vom Herausgeber Sony übernommen.

Links

Uncharted 4: A Thief's End

Nachlese

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