Goiserer: Kaiserliche Schuhe wandern um die Welt

4. April 2016, 12:00
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Die einst in Adelshäusern beliebten Goiserer werden heute auch in Südamerika, Neuseeland und Asien nachgefragt

Bad Goisern / Wien – Im idyllischen Örtchen Bad Goisern in Oberösterreich fertigt der 30-jährige Sebastian Leitner nach 100 Jahre alter Tradition handgemachte Schuhe nach Maß. Während die Schuhmacherbetriebe in der Region nach und nach ausgestorben sind, läuft das Geschäft der Goiserer Traditionswerkstatt bis heute. Warum? "Vermutlich wegen der Verbindung zum Kaiserhaus", sagt Schuhmacher Leitner.

Kaiser Franz Joseph, der sich oft im benachbarten Kurort Bad Ischl in seiner Sommerresidenz aufhielt, war passionierter Jäger und Besitzer von Schuhen aus der Goiserer Schuhwerkstatt. Denn für alpines Gelände waren die doppelt genähten, stabilen Goiserer, wie sie Kenner nennen, optimal. Ihren Weltruf als Wanderschuhe genießen sie bis heute.

Ein weiter Weg

Der originale Goiserer hat sich kaum verändert, lediglich die Sohle ist mittlerweile aus Kunststoff. Die ehemals lederne und mit Eisennägeln beschlagene Originalsohle ist heute ungebräuchlich, so Leitner. Ein Sortiment gibt es nicht. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern stellt Leitner alle Schuhe individuell maßgeschneidert her.

Daher muss auch jeder Kunde persönlich in die Werkstatt kommen. Für manche ein weiter Weg: Zwar kommen die Käufer größtenteils aus dem deutschsprachigen Raum, viele reisen jedoch auch aus Südamerika, Neuseeland oder Asien an.

Gerade eben sei jemand aus Hawaii bei ihm gewesen, erzählt Leitner im Gespräch mit dem STANDARD. Ein kleiner Teil der Kundschaft stamme auch heute noch aus Adelshäusern. Aus welchen genau, verrät er nicht.

Bis zu einem Jahr Wartezeit

Zwischen acht Monaten und einem Jahr müssen Kunden auf ihre Goiserer warten. Immerhin stecken darin 30 bis 40 Arbeitsstunden. Einen Sonderfall gibt es jedoch: Für Hochzeiten können die Schuhe etwas schneller hergestellt werden. Ein bis zwei Monate zuvor müsse er jedoch auch hier Bescheid wissen, sagt Leitner.

Pro Jahr werden zwischen 80 und 100 Paar Schuhe hergestellt, der durchschnittliche Preis liegt bei 1.500 Euro. Dafür ist ein Goiserer dann auch ein Schuh fürs Leben: Mindestens 20 Jahre lang soll er halten, sagt Leitner. Kunden gebe es viele und das ganze Jahr über. So viele sogar, dass er Wartelisten führe.

Bescheidener Internetauftritt

Dabei ist die Goiserer Werkstatt nicht die einzige, die nach traditioneller Handwerkskunst produziert. Die Konkurrenz sitzt hauptsächlich in Europa. Ein namhafter Maßschuhhersteller in London hätte sogar einmal eine Kooperation angeboten, sagt Leitner.

Das wäre aber kompliziert gewesen und sei daher nicht zustande gekommen: "Man soll es einfach halten." Bekannt sei der Schuhmacherbetrieb ohnehin, hauptsächlich dank Mundpropaganda. Tatsächlich ist der Internetauftritt eher bescheiden: Neben Kontaktdaten findet sich dort nur ein Zitat. Man soll es wohl einfach halten, in allen Belangen. (Elena Pramesberger, 4.4.2016)

Update: Mitte 2016 meldete Sebastian Leitner Konkurs an. Der Schuhmacher Philipp Schwarz, der seine Lehre beim Goiserer gemacht hat, eröffnete den Betrieb mit August 2016 in Bad Goisern neu und stellt die Traditionsschuhe weiterhin her.

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  • Die originalen Goiserer sind fast unverändert geblieben. Nur die Sohle ist heute aus Kunststoff, sagt Schuhmacher Sebastian Leitner.
    foto: apa/ooe landesausstellung

    Die originalen Goiserer sind fast unverändert geblieben. Nur die Sohle ist heute aus Kunststoff, sagt Schuhmacher Sebastian Leitner.

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